46 BAUZEITUNG Nr. 18/19 DI Norm 481, Kleinpflastersteine, Mosaik ­ pflastersteine. Hinsichtlich der Abmessungen der Klein- und Mosaik ­ pflastersteine wird zurzeit in Deutschland sehr willkürlich verfahren; die Normung ist daher dringend erforderlich. Die vorgeschlagenen Abmessungen nehmen auf die be ­ sonderen Wünsche der Hersteller und Verbraucher Rück ­ sicht. Die Steine lassen sich aus den in den verschiedenen Teilen Deutschlands vorhandenen Gesteinsmaterialien wirtschaftlich herstellen. Auf das Verhältnis von der Fuß- oder Setzfläche zur Kopffläche, sowie auf die ge ­ ringen Unterschiede in den Höhen, die in der Güte des herzustellenden Pflasters bedingt sind, ist Wert zu legen. D I Norm 482, Bordschwellen und Bordsteine aus Naturstein. D I Norm 483, Bordschwellen und Bordsteine aus Beton. In Deutschland herrscht hinsichtlich der Straßenbau ­ stoffe größte Verwirrung; fast jede Bauverwaltung schreibt abweichende Abmessungen für die Steine vor. Die Stein ­ industrie ist daher gezwungen, allen diesen Wünschen nachzukommen und unwirtschaftlich zu arbeiten. Eine Fertigung auf Vorrat ist fast ganz ausgeschlossen, weil die Steinindustrie nicht sicher ist, ob sie diese Vorräte überhaupt absetzen kann. Diesem Uebelstande kann nur durch eine Beschränkung auf wenige, für das Reich genormte Größen abgeholfen werden. Der vorliegende Entwurf ist das Ergebnis von Beratungen mit Vertretern maßgebender Behörden, der Steinbruchindustrie, des deutschen Betonvereines und der Arbeitnehmer. Die Normen sollen nur die äußere Form und Bearbeitung, nicht aber andere Eigenschaften, wie z. B. die Ausnutz ­ barkeit oder bei Betonprofilen die Zusammensetzung umfassen. Für Bordschwellen und -steine kommen nach der Art ihrer Verlegung zwei Höhen in Betracht, die für alle Fälle ausreichen, nämlich 25 cm bei Verlegung mit Unter ­ mauerung oder Unterbeton und 30—35 cm bei Verlegung ohne Untermauerung oder Unterbeton. Zwischenmaße sind nicht erforderlich. Auch in der Breite und in der Ausbildung der Fase kann man sich auf wenige Maße beschränken. Die Vertreter der Steinindustrie und der norddeutschen Bauverwaltungen halten die vorgeschlage ­ nen Bordschwellen- und Bordsteinprofile für ausreichend. Die süddeutschen Bauverwaltungen, die keine Vertreter zu den Sitzungen entsandt hatten, verwenden abweichende Profile; es ist jedoch zu hoffen, daß auch Süddeutschland sich diesen Vorschlägen anschließen wird. Anderenfalls würden der vorliegende Entwurf als Reichsnorm und die in Süddeutschland verwendeten Profile als Landesnormen zu gelten haben. D I Norm 484, Bürgersteigplatten aus Naturstein. D I Norm 485, Bürger steigplatten aus Beton. Die Vertreter der Industrie und der Baubehörden halten die vorgeschlagenen Arten von Bürgersteigplatten, und zwar zwei aus Naturstein und fünf aus Beton, für ausreichend. Die Beschränkung auf diese Arten entspricht den Interessen sowohl der Hersteller wie der Verbraucher. Abdrücke der Entwürfe werden Interessenten auf Wunsch gegen Bezahlung von 50 Pfg. für ein Stück von der Geschäftsstelle des Normenausschusses der Deutschen Industrie, Berlin NW. 7, Sommerstraße 4a, zugestellt. Einspruchsfrist 15. Juni 1920. Weitere Normen enthält das Heft 9 der Mitteilungen und zwar: D I Norm 454 (Entwurf I) Dachziegel: Pfannen und zugehörige Gratziegel. Reichsnorm. D 1 Norm 455 (Ent ­ wurf 1) Fassungsvermögen von Betonmischmaschinen. Reichsnorm. D I Norm 456 (Entwurf 1) Abdeckplatten aus Beton für Mauern, Reichsnorm. Für letztere Entwürfe gilt als Zeitpunkt des Ein ­ spruchs der 15. Juli 1920. Vorschläge zur Bekämpfung der Wohnungsnot. Unter diesem Titel macht Stadtrat a. D. Dr. Deichen in Nr. 15 des Preußischen Verwaltungsblattes den Vor ­ schlag, einen Anreiz für das private Unternehmertum zur Herstellung von Neubauten auf privatwirtschaft ­ licher Grundlage in der Weise zu schaffen, daß die Gemeinden dem Bauherrn vertraglich dafür Garantie bie ­ ten, daß er durch die spätere Bewirtschaftung des Hauses für das angelegte eigene Kapital eine sichere Verzinsung erzielt und daß er für den Fall, daß eine angemessene Verzinsung des angelegten Kapitals aus den Einnahmen des Grundstücks nach Abzug aller Unkosten nicht zu erreichen ist, den fehlenden Betrag aus öffentlichen Mitteln ersetzt erhält. Den Zinssatz zu finden, der dem Bauherrn garantiert werde, dürfte nicht schwer sein. Bei gemeinnützigen Baugesellschaften würden 5% ge ­ nügen. Bei Privatunternehmern werde ein Zinssatz nötig sein, der 1% über dem für 2. Hypotheken üblichen Zinsfuß stehe. Natürlich setze die Uebernahme der Ga ­ rantie durch die Gemeinden voraus, daß diesen ein Kontrollrecht über die Kostenanschläge und Aus ­ führung der Bauten sowie über die spätere Bauabrech ­ nung gegeben werde, und daß von vornherein über den Modus der späteren Rentabilitätsberechnung des Grund ­ stücks gewisse Normen festgelegt würden. Die Betriebs ­ zuschüsse der Gemeinden brauchten nicht a fonds perdu gegeben werden, sondern es könnte, falls der Ueberschuß des Grundstücks mehr als 7°/ 0 des vom Erbauer auf ­ gewendeten eigenen Kapitals ergebe, der 7% übersteigende Teil des Ueberschusses zur Abtragung der von der Ge ­ meinde eingegangenen Zinsgarantien verwendet werden. Das Verfahren habe den Vorteil, daß die Gemeinde keine großen Kapitalien aufzubringen, sondern nur laufende Zuschüsse zu leisten brauche. Tod eines Kaminbauers durch einen herabstürzenden Kübel. Regreßklage der Baugewerks-Berufsgenossen- schaft gegen den Unternehmer. Auf dem Neubau der Firma V. in D. ereignete sich beim Bau eines Fabrikschornsteins dadurch ein schwerer Un ­ fall, daß dem Kaminbauer N. ein Kübel auf den Kopf fiel. N. war auf der Stelle tot. Die näheren Einzelheiten hatten sich folgendermaßen abgespielt; An der Baustelle war ein Aufzug eingerichtet, um Steine und Mörtel in Kübeln nach oben zu schaffen. Gemäß den §§ 16.6 und 38.2 der Unfall ­ verhütungsvorschriften war eine aus Balken und Brettern bestehende Abdeckung zum Schutze der Arbeiter gegen herabfallende Gegenstände hergestellt worden, welche aber nicht bis an den Schornstein heranreichte., sondern noch einen Zwischenraum von ]/ % m frei ließ. N. hatte nun die Arbeiter aufgefordert, nicht so ängstlich zu sein und unter dem Dach hervorzutreten, um die von oben kommenden Kübel schneller abzufertigen; es wurde nämlich im Akkord gearbeitet. Einer der Arbeiter antwortete, dafür sei ihm sein Kopf zu schade. Darauf trat N. selbst hervor, um seinen Leuten ein Beispiel zu geben. Im gleichen Augen ­ blick löste sich ein herabkommender Eimer, der wohl ge ­ gen die Schornsteinwand gestoßen war, vom Haken und fiel dem N. auf den Kopf. Die Rheinisch-Westf. Baugewerks-Berufsgenossen- schaft zu Elberfeld entschädigte die Witwe mit einer mo ­ natlichen Rente; auf Grund des § 903 der RVO. erhob die Genossenschaft sodann gegen den Bauunternehmer P., welcher den Neubau ausführte, die Regreßklage. Sie machte geltend, daß nach § 16 Ziffer 12 ihrer Unfallver- hütungsvörschriften bei Aufzügen dieser Art die Kübel an den Seilen mit Doppelhaken oder Karabinerhaken befestigt werden müssten; P. habe aber einfache Haken verwendet und dadurch den Unfall verschuldet. Sowohl das Land ­ gericht Duisburg wie auch das Oberlandesgericht Düssel ­ dorf wiesen die Klage ab, letzteres aus folgenden Gründen: