54 BAUZEITUNG Nr. 22/23 wird. Der Verlust an Betriebswasser beträgt bei einer Wassermenge des Neckars von 60 Kubikmeter 5 Prozent, bei 15 Kubikmeter 20 Prozent; oberhalb der Enzmündung kann er zu 5 bis 10 Prozent der Jahreswassermenge ange ­ nommen werden. Das gegenseitige Verhältnis zwischen Schleusen und Wasserkraftwerk gestaltet sich am einfachsten, wenn beide Einrichtungen nächst dem Wehr auf verschiedenen Seiten des Flusses angeordnet werden, so daß sich beide Betriebe möglichst wenig stören. Gleich einfach ist die Sachlage, wenn die Schleuse an einem Kanal liegt, der nicht zugleich Triebwerkskanal ist, so daß keine Strömung im Schiffs ­ kanal herrscht. Liegen jedoch Schleuse und Kraftwerk an einem gemeinsamen Kanal, in dem das für den Werksbe ­ trieb nötige Wasser fließt, so ist darauf Bedacht zu nehmen, daß die Schiffahrt durch die im Kanal herrschende Strö ­ mung nicht gestört wird. Dieser Forderung wird dadurch Rechnung zu tragen sein, daß der Querschnitt des Kanals so bemessen wird, daß bei größtem Wasserverbrauch des Kraftwerks und bei Zuführung des für die Schleusenfüllung nötigen Wassers die zulässige Geschwindigkeit des Was ­ sers im Kanal, als solche 0,7 Meter in der Sekunde gelten kann, nicht überschritten wird. Außerdem ist in Lage und Bauart des Kanals den Forderungen der Großschiffahrt Rechnung zu tragen. Bei einer probeweisen Entnahme von 20 Kubikmeter Wasser aus dem Werkskanal der Kraft ­ anlage Poppenweiler auf die Dauer von 6 Minuten, wie dies für eine Schiffschleusung nötig würde, hat sich ge ­ zeigt, daß die Leistung des Werks um nur 10 Prozent ver ­ mindert wurde, daß ein Absenken des Oberwasserspiegels um nur 20 Centimeter eintrat und das Nutzgefäll sich um 6 Prozent verminderte. Werden also beim Bau des Kanals die oben genannten Hauptgesichtspunkte: genügender Ka ­ nalquerschnitt und zweckmäßige Linienführung beachtet, so können die zwischen Wasserkraftnutzung und Schiff ­ fahrt in der Natur ihrer Betriebe begründeten Gegensätze ausgeglichen werden. Nicht außer Acht zu lassen ist bei dem Ausbau unserer heimischen Wasserkräfte die Tatsache, daß der Verbrauch des in den Kraftwerken zu erzeugenden Stroms in den verschiedenen Tages- und Nachtzeiten sehr schwankend ist. Der Nachtverbrauch ist nur ein kleiner Teil des Verbrau ­ ches bei Tag. Nun aber fließt der Neckar in seinem natür ­ lichen Lauf innerhalb eines Tages ziemlich gleichmäßig ab, ergibt also durchlaufend Kraft gleichen Umfangs. Dies hat zur Folge, daß bei Nacht die Wasserkraft ungenützt bleibt, während bei Tag der Bedarf durch die Wasserkraft nicht gedeckt werden kann und durch Dampf d. h. Kohlen ver ­ brauch, beschafft werden muß. Um den Verlust bei Nacht und den Kohlen verbrauch bei Tag tunlichst zu vermeiden, müssen Einrichtungen geschaffen werden, um die bei Nacht überschüssige Wasserkraft aufzuspeichern und bei Tag, zu Zeiten des größten Bedarfs, wieder abzugeben. Es sind Tagesspeicher anzulegen, welche den Mehr- und Minderbedarf auszugleichen haben. Nur dann wenn die im Neckar erzielbare Wasserkraft voll erfaßt und restlos der Verwendung zugeführt wird, kann der Ausbau der Neckarwasserkräfte als wirtschaftlich einwandfrei gelöst gelten. Der Ausbau des Neckars für Schiffahrt und Wasserkraft ­ nutzung stellt, nach dem heutigen Geldwert gemessen, einen Milliardenwert dar; diese Summe besagt schon, welche Bedeutung diesem Werk für die gesamte Volkswirt ­ schaft Südwestdeutschlands und in seiner Auswirkung bezügl. Leistung und Erträgnis dem ganzen Reich zu ­ kommt. Aufwendungen und Nutzen werden in günstigem Verhältnis zueinander kommen, wenn die Wasserstraße, gleich wie es bei der vor 7 Jahrzehnten gebauten Haupt ­ bahn Bruchsal—Stuttgart—Ulm geschehen ist, so gebaut wird, daß sie den an einen Oroßschiffahrtsweg in vielen Jahrzehnten zu stellenden Ansprüchen gewachsen ist. Un ­ erlässlich ist es, daß Planung und Ausführung nach ein ­ heitlichen, weitschauenden und unverrückbar festzusetzen ­ den Richtlinien gestaltet wird. Den Behörden des Reichs, der Uferstaaten und dem Wasserstraßenbeirat, der von den Interessenten zu stellen sein wird, der den Südwestdeut ­ schen Kanalverein, der seit Jahren zielbewußt den Kanal ­ gedanken gefördert hat, aufzunehmen haben wird, fällt die große Aufgabe aber auch die Verantwortung zu, für die bestmögliche Verwendung eines großen Teils des Volks ­ guts einzustehen. Baukunstabteilung und Baukunstrat. Die nachstehenden Satzungen, die auf Grund des Orga ­ nisationsprogramms und der „Ziele und Aufgaben“ für die Baukunstabteilung bezw. den Baukunstrat aufgestellt wurden, sollen der Vollversammlung am 3. Juli zur end ­ gültigen Genehmigung vorgelegt werden. * Satzungen der Baukunstabteilung und des Baukunstrats für Württem ­ berg. I. Baukunstabteilung. § 1. Die Gesamtheit der Baukünstler Württembergs bil ­ det die Baukunstabteilung einer künftigen allgemeinen Kunstkammer. § 2. Zur Aufnahme in die Baukunstabteilung sind alle in Württemberg ansässigen Baukünstler berechtigt. Unter Baukünstler sind die wirtschaftlich selbständigen und unselbständigen, freien und beamteten, beruflich täti ­ gen Architekten mit künstlerischer Gesinnung und Fähig ­ keit verstanden. In besonderen Fällen können auch An ­ gehörige verwandter künstlerischer Berufe aufgenommeu werden, wenn sie durch besondere Leistungen auf ver ­ wandten Gebieten ausgesprochen künstlerisches Verständ ­ nis für die Baukunst beweisen. § 3. Neuaufnahmen erfolgen auf Grund der Ausfüllung eines Fragebogens und eines Nachweises, daß die in § 2 verlangten Voraussetzungen erfüllt sind. § 4. Die Aufnahme verpflichtet auf die in dem Programm des Baukunstrates niedergelegten Ziele und Aufgaben und erfolgt durch Mehrheitsbeschluß des Ausschusses der Bau ­ kunstabteilung. Abgewiesenen steht ein Beschwerderecht an die ordentliche Hauptversammlung zu, die ein erneutes Aufnahmeverfahren beschließen kann. § 5. Die ordentliche Vollversammlung tritt mindestens einmal im Jahr, in der Regel im Frühjahr, in Stuttgart zu ­ sammen und muß 14 Tage vorher schriftlich unter Angabe der Tagesordnung einberufen werden. Außerdem können außerordentliche Versammlungen vom Ausschuß nach Bedarf oder auf Antrag von einem Fünftel der Mitglieder der Baukunstabteilung mit achttägiger Frist einberufen werden. § 6. Der ordentlichen Mitgliederversammlung sind ins ­ besondere Vorbehalten: 1. Genehmigung des Tätigkeitsberichtes sowie der Rech ­ nungsablegung des Baukunstrates und Erteilung der Entlastung; 2. Festsetzung des Haushaltungsplanes und etwaige Aenderung des Jahresbeitrages; 3. Einsetzung der Wahlkommission; 4. Satzungsänderungen. § 7. Vierzehn Tage nach der ordentlichen Mitgliederver ­ sammlung erfolgt in den Jahren mit ungerader Zahl die schriftliche geheime Wahl des Ausschusses der Baukunst ­ abteilung, wobei jedes Mitglied in doppeltem Umschlag die fünfzehn nach seinem Urteil besten und geeignetesten Vertreter der Baukunst wählt. Das Wahlergebnis wird nach der höchsten Stimmenzahl festgestellt. § 8. Die Wahl des Ausschusses erfolgt auf 2 Jahre. Wiederwahl ist zulässig.