* Süd- und mitteldeutsche 16-/31- Juli 1920 IM Heue folge der Bauzeitung für Württemberg, Baden, fjessen, ClsaB-üothringen. Gegründet als Württcmbergisdie Bauzcitung im lahre 1904. Inhalt: Der Staatstechniker. — Der württ. Akademikerbund. — Rundschau, bewerb. — Vereinsmitteilungen. Wett- Alle Rechte Vorbehalte». Der Staatstechniker. Vor wenigen Wochen ist in Württemberg der Staats ­ technikerverband ins Leben getreten, im Rahmen dessen sich die beamteten Staatstechniker des höheren wie des mittleren Dienstes die Zusammenarbeit in Verfolg ihrer Standesinteressen zur Aufgabe gestellt haben. Es ist ein recht erfreulicher Fortschritt, daß die Erkenntnis sich durchzudringen vermocht hat, daß nur Zusammenschluß, Zusammenarbeit, gegenseitiges Verstehen und Unter ­ stützen jedem Stande zum Vorteil werden kann. So sieht sich der Staatstechniker-Verband schon in der Stunde seiner Geburt einer Aufgabe gegenüber, die alle in ihm vereinigten Kreise gleichmäßig interessieren und die zur Zufriedenheit aller zu lösen sein erstes Bestreben sein muß. Der technische Beamte aller Stände steht schon jahre- ja jahrzehntelange im Kampfe um die Gleichberech ­ tigung gegenüber dem Verwaltungsbeamten. Dieser Kampf wurde bisher erfolglos geführt, das ist an sich nicht entmutigend, aber daß den Lebensfragen der technischen Beamten so wenig Verständnis entgegengebracht wird, das muß Entrüstung auslösen. Es wird die vornehmste Sorge des Staatstechniker-Verbandes sein müssen, die Gleichstellung der technischen Beamten aller Dienstzweige mit den Verwaltungsbeamten zu erreichen, und diese Gleichstellung kann nirgens anders als in der Besoldungs ­ ordnung zum Ausdruck kommen. Es ist notwendig, daß wir unausgesetzt bestrebt sind, dafür zu sorgen, daß sich allerorts die Erkenntnis Bahn bricht, daß der Eigenart der Verhältnisse bei den technischen Beamten in der Einstufung in die Gehaltsgruppen Rechnung getragen werden muß, und daß der technische Beamte in der Vorrückung in die nächst höheren Stufen dem Verwaltungsbeamten gegen ­ über nicht zurückgestellt werden darf. Bei der Einstufung ist die umfangreichere fachliche Ausbildung des Techni ­ kers zu berücksichtigen und bei der Vorrückung in die nächst höheren Gehaltsgruppen ist grundlegend davon auszugehen, daß normalerweise der Techniker mindestens in demselben Lebensalter wie der Verwaltungsbeamte die analogen Gruppen und Stufen erreicht; dabei ist zu be ­ rücksichtigen, daß bei den technischen Beamten bisher überhaupt keine gehobenen Stellen bestanden haben, die ältesten Beamten befinden sich deshalb bis heute immer noch in den Endstufen der Anfangsgruppe. Für den Uebergang sind also für die technischen Be ­ amten so viele Spitzenstellen, Endstellen und gehobene Stellen zu schaffen, daß so viel Beamte in diese Stellen ein ­ rücken können, als dies möglich gewesen wäre, wenn seit ­ her schon eine Anzahl gehobener Stellen in gleicher Weise bestanden hätten, wie beim Verwaltungs-, Finanz- und juristischen Dienst. Der Herr Finanzminister hat bei der Beratung des Be ­ soldungsgesetzes in der Württ. Kammer zum Ausdruck gebracht, daß etwa 50 Prozent aller Stellen gehobene wer ­ den müßten; wenn die Gestaltung eine gleichartige werden soll, dann dürften aber für die technischen Beamtenstellen 50 Prozent gehobene Stellen für den Uebergang bei wei ­ tem nicht genügen. Wir möchten dem Herrn Minister empfehlen, an Fland der Dienstaltersliste zu errechnen, wie viele Techniker bei 50 Prozent gehobenen Stellen in diese eingereiht werden könnten und in welchem Lebensalter diejenigen sich befinden würden, die nicht mehr unter diese 50 Prozent fallen würden. Ein Vergleich mit den Verwaltungs- usw. Beamten würde ergeben, daß bei ­ spielsweise für die mittleren Techniker der jüngste Beamte in gehobener Stelle etwa 46 Jahre alt wäre, gegenüber dem Beamten des Verwaltungs-, juristi ­ schen und Finanzdienstes, der mit etwa 32—36 Jahren in eine gehobene Stelle einrückt. Solche Ungleichheiten dürfen nicht Vorkommen in einer Besoldungsordnung, die sich zur Aufgabe gemacht hat, gleichartige Dienste gleichartig zu belohnen. Es ist nun nicht so, daß die mittleren Techniker eine unerfüllbare Forderung stellen, wenn sie ihre Einreihung in Gruppe VIII anstreben, einmal nicht, weil alle diejenigen Beamten, mit denen sie früher rangiert haben, ebenfalls in Gruppe VIII eingereiht sind, zum andern deshalb, weil erst dadurch eine Gleichstellung der mittleren technischen Beamten mit den Beamten des Verwaltungs- usw. Dienstes zu erreichen ist. Dies wäre z. B. nicht möglich nur durch die Schaffung gehobener Stellen, denn wenn der Techniker in demselben Lebensalter in eine gehobene Stelle kommen soll wie der Verwaltungsbeamte, dann müßten überhaupt alle technischen Stellen gehobene sein, und das würde wiederum gleichbedeutend sein mit der Einreihung in Gruppe VIII. Außerdem würde den mittleren Technikern mit der Schaffung auch einer genügenden Zahl gehobener Stellen deshalb auf die Dauer nicht gedient sein, weil diese Zahl gar nicht gesetzlich festgelegt ist, sondern weil diese Stellen in jedem Etatsjahr neu angefordert werden müß ­ ten. Daß das für die mittleren Techniker mit der Zeit in ihren Gehalts-, Anstellungs- und Vorrückungsverhältnis ­ sen zu absolut unsicheren und unhaltbaren Zuständen führen müßte, bedarf wohl keines weiteren Beweises. Wenn der Herr Finanzminister in seinen Erklärungen in der Kammer darauf aufmerksam gemacht hat, daß in einer bestimmten Beamtengruppe noch eine größere Zahl von älteren Beamten vorhanden ist, die, wenn für sie eine