. 72 BAUZEITUNQ Nr. 31/3 2 nicht um den gefährlichen echten Hausschwamm, sondern um den verhältnismäßig leicht zu beseitigenden Keller- schwamm handle, nach dessen Beseitigung von einem mer ­ kantilen Minderwerte des Hauses, wie ihn die Vorinstanz annehme, keine Rede sein könne. Das Reichsgericht habe ja auch in einem anderen Falle in Uebereinstimmung mit dem Kammergericht den Anspruch des Käufers eines mit Kellerschwamm behaftet gewesenen Hauses auf diesen mer ­ kantilen Minderwert zurückgewiesen. Indessen blieb die Revision des Beklagten gegen das ihn verurteilende Er ­ kenntnis ohne Erfolg. Die Vorinstanz — so führte das Reichsgericht aus — verkennt nicht, daß es sich hier um den verhältnismäßig leicht zu beseitigenden Keller ­ schwamm handelt; sie nimmt aber trotzdem einen Minder ­ wert an, weil die örtliche Erfahrung lehre, daß Kaufliebhaber, wenn sie hören, daß Schwamm vorhanden gewesen sei, zurückschreckten, ohne nach der Art des Schwammes zu fragen, und daß sie selbst auf fachmän ­ nische Beratung mißtrauisch blieben. Diesem Umstande werde von der Mehrzahl der Baupraktiker und Immo ­ bilienmakler ein Einfluß auf den Wert des Hauses einge ­ räumt. Gegen diese Ausführungen, die sich völlig im den Anspruch für berechtigt erachtet. Nach den getroffenen Feststellungen und auf Grund der Gutachten der vernommenen Sachverständigen kann cs einem Zweifel nicht unterliegen, daß infolge des bleihaltigen Leitungswassers Bleierkrankungen vor ­ gekommen sind und daß dies auch bei den Klägern der Fall war. Für den dadurch entstandenen Schaden hat die Gemeinde auf- zukommen. Das zwischen den Klägern und der Beklagten hin ­ sichtlich der Benutzung der Wasserleitung bestehende Rechts ­ verhältnis ist als ein vertragsähnliches anzusehen. Legt eine Gemeinde eint Wasserleitung an, so geschieht dies in Erfüllung einer öffentlichen Pflicht und in der Absicht, die Mitglieder der Gemeinde aus Gründen der Gesundheitspflege mit gutem Trink ­ wasser zu versehen. Die Anlage einer solchen dem Qemeiu- wohle dienenden Wasserleitung, die die Einwohner des betref ­ fenden Ortes vielfach zwingt, ihr Trinkwasser ausschließlich aus der Leitung zu entnehmen und ihnen die Möglichkeit einer anderweitigen Versorgung gar nicht .beläßt, begründet die Ver ­ pflichtung der Gemeinde, nur gutes, der Gesundheit zuträgliches Wasser zu liefern. Sie übernimmt mit dem Abschlüsse eines solchen önentlich-rechtlichen Wasserentnahmevertrages die Ga ­ rantie dafür, daß ihre Gemeindemitglieder durch den Genuß des Wassers, auf das jedermann unbedingt angewiesen ist, keinen / ''■* inhnjrf i way 'tn/hmq Ijonra-thrr*/?^ • binrfrurtrn,. 7r//7 / >: c '(Arff.fifrjjC'nuqrrrf. s .. Abb. 6. Rahmen des § 287 der Zivilprozeßordnung bewegen, läßt sich nichts einwenden, so meinte der höchste Gerichtshof. — Zuzugeben ist dem Beklagten, daß das Reichsgericht ein Urteil des Kammergerichts gebilligt hat, in welchem der Anspruch des Käufers eines mit Kellerschwamm be ­ haftet gewesenen Hauses wegen merkantilen Minderwerts zurückgewiesen wurde. Indessen hat das Reichsgericht in seinem Urteil ausdrücklich darauf hingewiesen, daß eine derartige Entscheidung nur für die vom Kammergericht festgestellten örtlichen Verhältnisse gelten könne. — Im vorliegenden Falle aber hat die Vorinstanz ausdrücklich festgestellt, daß nach der örtlichen Erfahrung nicht nur Privatleute, sondern auch Baupraktiker und Makler dem Umstande, daß in einem Hause einmal Kellerschwamm vorhanden gewesen sei, einen wertmindernden Einfluß ein ­ räumten. Mit Recht ist also dem Kläger der Befrag zu ­ erkannt, um den das Haus auch nach Beseitigung des Schwammes im Verkehr dauernd im Wert gemindert ist. (Nachdr. verboten.) Haftpflicht der Gemeinde wegen Oesundheitsschädlgimg von Gemeindeangehörigen durch bleihaltiges Leitnngswasser. Schaden an ihrer Gesundheit erleiden, und sie haftet ,wenn das Wasser Gift enthält. Diese Haftung folgt ohne weiteres aus dein öffentlich-rechtlichen Vertragsverhältnisse, ohne daß es des Nachweises eines Verschuldens auf Seiten der gesetzlichen Ver ­ treter der Gemeinde bedürfte, zumal dieser Nachweis in vielen Fällen von dem Betroffenen gar nicht erbracht werden könnte. Das Reichsgericht bestätigte dieses Urteil .(Reichsg. VI. 465^19). Falschs Angaben über die Größe eines zum Verkauf gelangenden Grundstücks. Der Beklagte hatte mit dem Kläger über den Verkauf seines Grundstückes verhandelt und hierbei wiederholt erklärt, das Gelände sei etwa 450 Morgen groß; allerdings kenne er das Grundstück nicht so genau, er verkaufe es in den Grenzen, wie er es besessen habe. Als der Käufer nun später feststellte, daß das Grundstück nur 42.3 Morgen groß sei, verlangte er entsprechende Minderung des Kaufpreises. Da indessen der Beklagte dartat, daß er eine bestimmte Größe des Grundstückes nicht zugesichert habe, und auch von einer arglistigen Vorspiegelung einer bestimmten Größe keine Rede sein könne, so wurde in erster Instanz der Anspruch des Klägern abgewiesen. Dieses Urteil wurde vom Oberlandesgericht Marienwerder zu Gunsten des Klägers abge ­ ändert. Dieser Gerichtshof war nämlich der Ansicht, daß der Verkäufer die wirkliche Größe des Grundstücks genau gekannt i ■iS V