16./30. Nov. 1920 Süd- und mitteldeutsche DM Heue folge der Bauzeitung für Württemberg, Baden, fjessen. Clsaß-Oothringen. Gegründet als Württembergische Bauzeitung im fahre 1904. f43/47- A I KUH 1 MER j li (f|)J Inhalt: Wettbewerb: Siedelung der Rastenburger Miihlenwerke/--c- lieber Baulagd- Umlegung. — Die Oelschieferverwertnng in der Praxis. — Efi» Abgabe dbs ^r«gj- worts in.Qrundstücksübereignungsverträgen. — Rundschau. w^BiJch^ ir Alle Rechte Vorbehalten Wettbewerb: Siedelung der Rastenburger Mühlenwerke. Entwurf „Erika“, 1. Preis (Variante). Architekt Paul Fischer-Naumburg. Zur Gewinnung geeigneter Vorschläge für die Be ­ bauung eines für Siedelungszwecke von den Rastenburger Mühlenwerken erworbenen Geländes nahe der Stadt Rastenburg forderte der Inhaber der Rastenburger Müh- leawerke, Herr Adolf Gramberg, die Architekten der Ost ­ provinzen zu einem Wettbewerbe auf. Das zur Verfügung stehende Gelände liegt an der Peripherie der Stadt Rasten ­ burg und ist 61 Morgen groß. Auf dieses Gelände soll ­ ten Wohnungen für Arbeiter und Beamte der umfang ­ reichen Rastenburger Mühlenwerke geschaffen werden. Jeder Wohnung sollte dreiviertel Morgen Land (einschl. Baustelle) für Gärten, Gemüse- und Kartoffelland zuge- wiesen werden. Bei der Aufteilung des Geländes war darauf zu achten, daß jede Familie das Land unmittelbar an derWohnung oder in der Nähe derselben hatte. Ebenso wurde laut Bauprogramm Wert auf eine gute Gesamt ­ gruppierung der Anlage gelegt. Außer Arbeiterwohnungen sollten noch 6 Beamtenwohnungen und 12 Müllergesellen ­ wohnungen erbaut werden. Die Beamten und Müller- gesellen sollten in Doppelhäusern untergebracht werden, die Arbeiterwohnungen in Doppelhäusern vereinzelt in Drei- und Vierfamilienhäusern. Eine Arbeiterwohnung sollte enthalten - (1 Wohnküche, 1 Stube) 36 qm Wohn ­ fläche, 1 Flur, 1 Stall für Kleintierzucht (Schwein, Ziege, Kaninchen, Hühner, Abort, 1 kleine Küche zum Kochen des Viehfutters und zum Waschen, 1 Keller 12 qm; ferner Bodenraum. Die Bearntenhäuser sollten möglichst an der Chaussee am nächsten der Stadt gelegen angeordnet werden. Der heute veröffentlichte Entwurf „Erika“ des Archi ­ tekten Fischer-Naumburg wurde bei diesem Wettbewerbe mit dem 1. Preise gekrönt. Das Preisgericht fand den Aufbau recht gut und den ostpreußischen Verhältnissen entsprechend, namentlich die architektonische Haltung für diese Siedelung an der Peripherie der mit mehrstöckigen Wohnhäusern endigenden Stadt. - Da An- und Aufbauten aus dem Rahmen des Siedelungsprogrammes fielen, so zeigt eben der mit dem 1. Preis gekrönte Entwurf, hier in den Abbildungen 1 bis 3 wiedergegeben, wie man das Gegebene, den Giebel, in eine Form oder einen Stil, wenn wir heute dieses Wort einmal wieder anwenden wollen, geschickt bringen kann. Natürlich ohne erhebliche Mittel. Dieses kann durch gute Proportionen und Symetrie in den Flächen erreicht werden. Unsere heutigen Siedelungs ­ bauten sind oft hier zu einfach und monoton gehalten. Das rauhe ostpreußische Klima war hier ferner zu be ­ rücksichtigen. Die Ausführung geschieht in Ziegelstein als Putzbau. Die ununterbrochenen Dachflächen werden mit der heimischen Pfanne eingedeckt. Das Preisgericht betonte, daß die Grundrisse der Arbeiterhäuser, bei denen die Wohnräume durch die Waschküche und den Flur an den Giebelseiten durch die rauhen Winde geschützt sind, recht geschickt seien. Die Grundrisse der Gesellen- und Beamtenhäuser befriedigen. — Die Siedelung ist zur Zeit Links: Müllcr-Gesellen-Wohnhäuser. Beamten-Wohnhäuser. Rechts: Gelände für die Häuser an den Straßen — Familien- Arb.-Wohnhäuser — Stall — 4 Familien-Arb.-Wohnhäuser — 2 Fatnilien-Arb.-Wohnhäuser mit Stall — Müller-Gesellen- Wohnhäuser.