39 ist nämlich seine Entfernung vom südlichen Strebepfeiler geringer als die vom nördlichen. Dies erklärt sich dadurch: man hielt den Mittelpfeiler des Portales in der Kirchenaxe fest und begann mit dein Vau im Großen, der Aufrichtung der Mauern und Widerlager für die Gewölbe von Süden aus, weil man hier als genaue Richtlinie die freie, südliche Flucht der Kirche hatte- Nun ist aber jedes der drei Kreuzgewölbe der Vorhalle für eine äußere Länge von 80 Fuß, das ist die Kirchrnbreite, auf die sie berechnet mar, um einige Zoll zu weit, und fo schob sich die Vorhalle etwa um einen Fuß über die Nordstucht der Kirche hinaus; so mußte, weil der Mittelpfeiler des Portals unverrückbar in der Axe der Kirche feststand, dieses dem südlichen Strebepfeiler zu nahe kommen und vom nördlichen gi weit entfernt werden. Die bauliche Ausführung der Vorhalle ist bewunderungswürdig genau: das Sandsteinquaderwerk, gleich wie an der Kirche, rin graubrauner feinkörniger Keuperwerkstein (Schilfsandstein), ist fein zusammengefügt, aller Zierat so sauber als prächtig ausgeführt; die Gliederungen sind von einer Durchbildung, einer vollendetell Kraft, die Verhältniße von einer lichtvollen Weite, die Ornamente von einer Schönheit und Wohlverthcilung, daß mau uilter den so vielen Prachtbauten des Klosters dieses das reinste und fchöllste von allen nennen muß. Traulich steht es bei den alten Lindenbäumen, deren grüne Zweige fröhlich hereinschauen durch die herrlichen Fenster. Das Herrenrefekkorium. Als der unmittelbare Uebergang zu diesem Gebäude erscheint die leider ab ­ gerissene RlosterKüch e, die zwischen beiden Refektorien gelegen, gleichzeitig mit dem Laienrefeklvrium und schoir im Hinblick auf das Herrenrefektorium errichtet wurde. Voir ihr aus gieng in beiden Refektorien je eine (jetzt vermauerte) Oeff- nung zum Hereinbieteir der Speisen. Nur die südliche Wand der Küche, zugleich dir Umfassungsmauer des Kreuzganges, erhielt sich und wird von geradgestürzier, mit gewaltiger Oberschwelle bedeckter Thüre durchbrochen. Diese Formen, sowie die an den Mauern angebrachten Steinmehzeichen, gehen ganz mit denn: des Laienrefektoriums zusammen. An die Küche stößt nun östlich das Herren ­ refektorium, das Refektorium der Mönche (vergl. in Viollet le Duc, Dictio- naire raisonne de l’Architecture franfaise, Band I., die Pläne von Clairvaux und namentlich von Citeaux, von dem wir weiter unten eine genaue Nachbildung geben); in Maulbronn selbst heißt es, vom Volk aus „Refectorium“ verändert, das „Rebenthal". Cs ist wohl noch einige Jahre vor dem Paradiese begonnen, während die im Uebergangsstil gehaltenen Theile des Krenzgangs jedenfalls nach diesen beiden Gebäuden vollendet wurden (f. unten). An der Westseite des Herren ­ refektoriums tritt ein außen rechteckiges Treppenthürmchen hervor und an der Ost- seite ein rechteckiger Ausbau, auch mit Resten einer Wendeltreppe, die auf einen gegen den Saal hereingehendeu Austritt, dessen steinere Träger jetzt weggeschlagen sind, führte; von hier herab geschah die tägliche lectio mensae.