48 In dem an die Kirche angebauten Krenzgangsflügel wurde jedeir Abend vor dem Schlnßgottesdienst die sog. geistliche Lesung (lectio) abgehalten, d. h. es wurde unter dem Vorsitz des Abts ein entsprechender Abschnitt ans einem Werbe er ­ baulichen Inhalts vorgetragen. Von diesen Vorlesungen erhielt die Halle den Namen „Lesegang". Für die Zuhörer waren auf beiden Seiten des Ganges Sitzbänke von Stein oder auch von Hol; angebracht und weil die bis zum Boden herablaufenden Halbsäulen den freien Gebrauch der Sitzbänke gehindert haben würden, traten an ihre Stelle die Konsolen, wie wir es in Maulbronn an der Außenwand der Kirche sehen. — In den Areuzgangshallen fanden ferner die Futz- waschungrn statt, welche die Mönche jeden Sonnabend an sich, jeden Gründonnerstag an den Armen vorzunehmen hatten. Es lag nahe, den mit Bänken versehenen Lesegang dafür zu benutzen; so finden sich eben im Südfiügrl des Maulbronner Krcnzgangs in den Fensterbänken zwei Ausgußsteine; zwei schön gearbeitete kon ­ solenartige Ausgußsteine erhielten sich im Bebenhauser Kreuzgang, ebenso im Krenz- gang des österreichischen Cisterzienserklvsters Zwettl (vergl. Tscherning, a.d. a. O.). Wie schon gesagt, setzen sich die lebhaften und stüssigen Rebergangsformen des Südstügels am Vst- und Weststügel je mit einem Gewölbejoch fort, nur haben die Veffnungen an der Westseite Kleeblatlfüllnngen und Säulen anstatt der Fenstergeivände. Noch ein Strebe ­ pfeiler und der Anfang eines neuen Bogens, sowie ein urthümlicher Wasserspeier, der einzige am ganzen Kreuz- gang, dann wird die Wand des Westflügels um etwas schmäler und eine ganz andere, 40—50 Jahre jüngere Formenbehandlung tritt ein; und ähnlich ist es im Ost- flügel. Im Nordflügel dagegen mahnen die Wandxfeiler mit ihren Säulchrn in den Ecken noch ganz an die Uebergangszeit, aber die Formen sind viel eintöniger und schwerer; — die Gewölbe und die am Kreuzgarten hinziehende Umfassungs ­ mauer stammen dagegen aus gothischer Zeit. Die Steinmetzzvichen an den oben beschriebenen Gebäuden sind folgende: An der Vorhalle (Paradies): J_A4" t' t Dl £ kc°Z K Am Herrenrefektorium: tV'Ot'T) 0 Dt» Cü+* V An der Brunnenkapelle unten: ^ “□ T /* *1* Am Südflügel des Kreuzgangs: Der grohe Keller. Dreimal treten, wie rin Blick auf den Grundriß zeigt, aus dem Klostercom- plex gegen Norden mächtige, langgestreckte Gebäude hinaus; von Westen an ge ­ rechnet, zuerst das Laienrrfektorium, dann das Hcrrcnrefektorium und endlich der VlsitllUstollmig.