75 Viertelstunde lang die Sonnenstrahlen gerade ans die Dornenkrone des Heilands, so daß dieselbe in wnndrrbarem Glanze strahlt, während die sonstige Figur, wie anch das Kreuz in Halbdunkel gehüllt bleibt. Manchmal nur im hohem Sommer, wenn der Rosen volle Pracht Ringsum in der Klostergärien dichtem Buschwerk sich entfacht. Fallen so die Sonnenstrahlen durch der Lirchensenster Scheiben, Daß sie einen Augenblick aus der Dornrirkrone bleiben. Mächtig wie der Frühlingsodem den erstarrten Zweig durchdringt, Geht rin Leben durch die Krone, die de« Dulders Stirn umschlingt; And es scheinen in den Dornen, die des Heilands Hangt ;rrstochrn, Von der Sonne wach geküßt, rothe Rosen ausgebrochen. Paul lang. Vor dem Laienaltare liegt sodann, auch dem 15. Jahrhundert entstammend, der mit Kreuz und Wappen geschmückte Gedenkstein des ersten Stifters, Walthers von Lomersheim. Noch sind zu erwähnen die beiden spätgothischen steinernen Altarbaldachine, die je uor dem dritten Arkadenpfeiler stehen, von hübschen gewnndenen Säulen getragen und von schönen reich bemalten Sterngeivölben überspannt werden, der nördliche, dessen Altar der h. Anna geweiht war, hat den Gremp'schen unb Wid- marm'schen Wappenschild und die Inschrift: Conradus Gremper Civis de Vai ­ hingen. 1501. Innen am Chorbogen liest man die Inschrift: Anno Domini MDX tempore Domini Michaelis Scholl Abbatis renovatum. Die Gothik an den übrigen Bauten. Um das Jahr 1479 wurde der ursprünglichen Klosterschanseite, wie schoir oben bemerkt, als eine nordwärts von dem Paradies gehende Verlängerung, ein Gang mit schlichten Rippenkreuzgewölben und mit, den romanischen des Herren ­ hauses, nachgeahmten Pfeilrrarkadrnfenstern vorgelegt; der an das Paradies flöhende Theil ist einstöckig, weiter gegen Norden ivird er ziveistvckig und von einem hohen, mit großer Kreuzblume geschmückten Giebel bekrönt; starke Strebepfeiler, an einem die Jahreszahl 1479, stühen das Gebäude und gehen in blumige Spitzsäulen aus. Ferner die spätgothischen Bauten, die unter den Aebten Burrns und Cnten- fuh errichtet wurden und die spätesten Wandlungen de« gothischen Stils in reichen Formen zeigen; das Parlatorium, Oratorium, der Einbau des schon mehrfach er ­ wähnten Herrenhauses seinem größeren Theile nach, und der Winterspeisesaal. Durch den nördlich vom Kapitelfaal hinziehenden breiten Durchgang gelangt man in das schief gegen Nordosten hingestreckte Parlatorium, eine 88 Fuß lange, gegen 20 Fuß breite und fast ebenso hohe Verbindungshalle zwischen Kloster nnd Herrenhaus. Hier allein, im „Sprechsaale", dessen reiche Fischblasenfenster gegen den wohlgepflegten Garten, den früheren Herrenkirchhof, hinaus gehen, durften die Mönche untereinander und mit Fremden sprechen; er wurde um das