Vorwort. Das vorliegende, siebente Heft der Brücken der Gegenwart enthält eine Monographie der eisernen Bogenbrücken mit drei Gelenken, mit zwei Gelenken und ohne Gelenke, welcher die analytische und, soweit als möglich, die gr a ph i s c h e Berechnungsmethode sowie die Darstellungen einer möglichst grossen Zahl verschiedenartig construirter, meist ausgeführter Bogen ­ brücken zu Grunde gelegt ist. Die auch diesem Hefte vorausgeschickte „Technische Entwickelung“ erleichtert, indem sie eine kurze Uebersicht über die wichtigsten, bislang zur Ausführung gekommenen Systeme der eisernen Bogenbrücken vorausschickt, und hierbei die Nachtheile der älteren verlassenen und die Vor ­ theile der zur Zeit üblichen oder projectirten Systeme hervorhebt, die Auswahl der einschlägigen zweck massigsten Constructionen. Die statische Berechnung wurde, mit Berücksichtigung der ungünstigsten Stellung belie ­ biger und beliebig vertheilter Lasten, für Gel enk-B ogenträger und elastische Bogenträger durchgeführt und hierbei, soweit als möglich, die in unsere Constructionsübungen für Brückenbau eingeführte, für die Sicherheit im Ermitteln der Dimensionen der Brücken höchst empfehlenswerthe gleichzeitige Anwendung zweier Berechnungsmethoden und die hierdurch zu erreichende Con- trole ihrer Ergebnisse gezeigt. Bei der analytischen Behandlung ist durch die Anwendung der redueirten Angriffs momente eine ebenso allgemeine, als einfache Theorie sowohl zur Er ­ mittelung der ungünstigsten Laststellung, als auch zur Berechnung der Spannungen des Bogen ­ trägers mit drei Gelenken aufgestellt und deren Anwendung auf ein statisch-numerisch be ­ handeltes Beispiel gezeigt worden. Die statische Berechnung auch der elastischen B ogenträger mit zwei Gelenken erscheint unter möglichst einfacher Form der analytischen Behandlung, während die Ermittelung ihrer ungünstigsten Laststellung auch auf graphischem Wege gezeigt ist. Eine annähernd genaue statische Berechnung der Bogenträger ohne Gelenke, welche übrigens eine für die Praxis hinreichende Genauigkeit zulässt, wurde in die Bearbeitung des auf Tafel 6 dar ­ gestellten, speciellen Beispieles aufgenommen. Der dritte, constructive Theil behandelt, unter stetem Hinweis auf die in den beigegebenen Tafeln dargestellten Brückenbauten, die drei genannten Systeme der Bogenträger in ihrer Anwen ­ dung auf Eisenbahn- und Strassenbrücken sowohl nach ihrer Anordnung im Allgemeinen als auch nach der speciellen Anordnung ihrer Theile, während diesem Abschnitte das für den Constructeur Wissenswertheste über das Constructionsmaterial, die Verbindungsmittel sowie über die festen und beweglichen Verbindungen der schmiedeisernen Bogenbrücken selbst beigefügt ist. Hierbei ist — der bisherigen Annahme der Ingenieure, dass ein Windverband nur beim elastischen Bogenträger durchzuführen sei, entgegen — die Möglichkeit der Durchführung des Windverbandes auch bei eisernen Bogenbrücken mit drei Gelenken nachge ­ wiesen und, da dieselbe zur Zeit noch nicht ausgeführt ist, die constructive Anordnung des Wind ­ verbandes an den Kämpfern, an den Auflagern und besonders im Scheitel an einem bis ins Einzelne durchgearbeiteten Briickenproject gezeigt worden. In dem vierten, die Beschreibung und sta tisc: h - n umer is ch e Berechnung einzelner Bauwerke enthaltenden Theile wurde mit Hülfe einer die wichtigsten Bogenbrücken verschiedener Länder enthaltenden Tafel eine Uebersicht über die neueren und neuesten Constructiotissysteme guss- und schmiedeiserner Bogenbrücken gegeben und die Beschreibung von drei kleineren und einer grösseren Gelenk-Bogenbrücke, von einer elastischen Bogenbrücke mit zwei Gelenken und von einer Bogenbrücke ohne Gelenke, wovon die letzteren drei mit ausführlichen statisch-numerischen Berech ­ nungen begleitet, hinzugefügt. Bei der grösseren Gelenk-Bogenbrücke ist die in einer analytischen und in einer graphischen Berechnung bestehende Controlberechnung von Herrn Assistenten J. Palme mit dankenswerther Genauigkeit durchgeführt und deren Ergebnisse in einem, in der ihr beigegebenen Texttafel enthaltenen, Diagramm zum Zweck des Vergleichs zusammengestellt worden, während auch der Bogenbrücke mit zwei Gelenken eine Texttafel beigegeben ist, welche die Ermittelung ihrer ungünstigsten Belastungen auf graphischem Wege darstellt. In dem folgenden, fünften Abschnitte wurde die einschlägige neuere und neueste Literatur nach ihrer Zeitfolge zusammengestellt. Um den diesem Hefte zugemessenen Umfang nicht zu überschreiten, musste auf die beabsichtigte Mittheilung der Gewichtsberechnung einer Bogenbrücke, wie sie in den früheren Heften gegeben wurde, sowie auf einen besonderen Abschnitt über Kostenberechnung, Ausführung, Prüfung und Unterhaltung verzichtet werden. Schliesslich gereicht es uns zur angenehmen Pflicht, allen Fachgenossen, welche uns im Hinblick auf den gemeinnützigen Zweck dieses Werkes durch Mittheilung von Constructionsblättern und zu ­ gehörigen Berechnungen unterstützt haben, hiermit unseren verbindlichsten Dank auszusprechen. Besonderer Dank gebührt ferner der Verlagsbuchhandlung, welche im \ ereine mit der in technischen Kreisen vortheilhaft bekannten lithographischen Anstalt von F. Wirtz in Darmstadt, der xylographi- schen Anstalt von Zierow und Meusch in Leipzig und der Universitäts-Buchdruckerei von Carl Georgi in Bonn bemüht war, auch diesem Heft eine ebenso solide, als geschmackvolle Ausstattung zu geben. Möchte das vorliegende 7. Heft der Brücken der Gegenwart dem auch an der diesseitigen Technischen Hochschule längst empfundenen Bedürfnisse einer Anleitung zum Berechnen und Ent ­ werfen von schmiedeisernen Bogenbrücken genügende Abhülfe schaffen und sich, gleich den früheren Heften dieses Werkes, der wohlwollenden Nachsicht unserer Fachgenossen erfreuen. Aachen, den 29. November 1879. H.