80 81 5) Der Unterricht erfolgt sonach theils durch Vorträge und Demonstrationen, theils und hauptsächlich mittelst praktischer Übungen. Letztere erstrecken sich in allen drei Abtheilungen bis zu selbständigen Kompositionen. Es werden daher auch etwaige Bestellungen von Ge ­ werbetreibenden zur Fertigung von Entwürfen etc. etc. über kunstgewerbliche Gegenstände angenommen. 6) Ertheilt wird der vorbenannte Unterricht einestheils von Lehrern des Polytechnikums in dessen Lokalitäten, insbeson ­ dere in den an dieser Anstalt eingerichteten Ateliers, andern- theils von Lehrern der Kunstschule in den dortigen Ateliers, woneben für einzelne spezielle Unterrichtsfächer (z. B. Holz ­ schnitzerei, Oiseirren, Dekorationsmalerei etc. etc.) besondere Hilfslehrer aufgestellt sind. 7) Als Lehrmittel dienen einerseits die Sammlungen des Polytechnikums und der Kunstschule, vorbehaltlich ihrer Ergän ­ zung für die besonderen Zw r ecke des kunstgewerblichen Unter ­ richts, andererseits die Sammlungen der Centralstelle für Gewerbe und* Handel, sowie die allgemeinen Sammlungen des Staats für Wissenschaft, Kunst und Alterthum. 8) Zur Zulassung wird verlangt: a) ein Zeugniss über sittlich gute Aufführung, b) bei Minderjährigen Nachweis der elterlichen oder vor ­ mundschaftlichen Einwilligung, c) Nachweis einer wenigstens zweijährigen erfolg ­ reichen praktischen Thätigkeit in dem betreffenden Industriezweige, d) Nachweis der erforderlichen künstlerischen Befähi ­ gung und Vorbildung, in welch’ letzterer Beziehung insbe ­ sondere diejenige Fertigkeit im Freihandzeichnen, geometrischen Zeichnen und Modelliren vorausgesetzt wird, welche in den höher entwickelten gewerblichen Fortbildungsschulen des Landes er ­ worben werden kann. Der Nachweis zu c) ist durch ein Zeugniss des Lehrherrn, der Nachweis zu d) theils durch Schulzeugnisse, theils durch Vorlegung selbstgefertigter Zeichen- etc. Arbeiten zu liefern. Im Zweifelsfalle ist der Besitz der erforderlichen künstleri ­ schen Befähigung und Vorbildung auf dem Wege einer beson ­ deren Aufnahmeprüfung zu ermitteln. 9) Die regelmässige Dauer der Theilnahme an dem kunst ­ gewerblichen Unterrichte ist auf drei Jahre angenommen, so zwar, dass dieselbe, je nach den besonderen Verhältnissen des Einzelnen, entweder auf eine kürzere Zeit beschränkt oder auf eine längere Zeit erstreckt werden kann. 10) Zu möglichst sicherer Erreichung des Zweckes wird für leden Theilnehmer, nach Massgabe seiner besonderen Verhältnisse, ein bestimmter Lehrplan festgesetzt, welchen er genau zu be ­ folgen hat, wie auch die hienach vorgeschriebenen Vortrags- und Übungsstunden im Einzelnen pünktlich einzuhalten sind. 11) Jeder Theilnehmer hat bei seiner Zulassung ein Ein ­ trittsgeld von 10 Ji. und für jedes Semester ein Unter ­ richtsgeld von 20 JL zu entrichten, welches je am Anfang des betreffenden Semesters vorauszubezahlen ist. Bei nachgewiesener Mittellosigkeit kann jedoch vom zweiten Semester an solchen Theilnehmern, welche über Fleiss und sitt ­ liches Verhalten gute Zeugnisse haben, das Unterrichtsgeld ganz oder theilweise nachgelassen werden. Auch können nach Umständen an bedürftige und würdige Zöglinge Stipendien zum Besuche des Unterrichts verliehen werden. 12) Auf Verlangen wird den Theilnehmern je am Schlüsse eines Halbjahrs ein Semestralzeugniss ausgestellt. Beim Austritte, nach Absolvirung der planmässigen Kurse, erhalten dieselben ein den Gesammterfolg ihrer Studien um ­ fassendes Zeugniss. Die im Bisherigen geschilderte Einrichtung gewährt zugleich den Zöglingen der Kunstschule Gelegenheit zur Erlernung der für das eigentliche Kunststudium (Bildhauerei und Malerei) erforderlichen architektonischen und ornamentalen Fächer, gleich wie andererseits vom kunstgewerblichen Unterricht aus der Übertritt zum eigentlichen Kunststudium offen steht.