i3 Um deren Interessen und dem Eisenbahnwesen selbst allseitig gerecht zu werden, ist wohl alles, was über die Eisenbahnen aller Kategorien, insbesondere über die mit Pferden, mit stehenden Maschinen und Lokomotiven zu betreibenden Eisenbahnen immer erörtert werden konnte, zur Ver ­ handlung gestanden. Ueberall wurde während der ständischen Verhandlungen erkannt, wie die Regierungsvorlage wohlbegründet und wohlüberlegt sei. Nur in einer Hinsicht bestand Meinungs ­ verschiedenheit. Die Regierung hatte erklärt, wie Zusammenlegung des Binnen- und Durchgangsverkehrs zweckmässigste Anlageform für die Bahnen Württembergs bilde, und hiedurch beste Erträgnisse erwirkt werden können, wogegen die II. Kammer durch ihren sonst wohlunterrichteten und umsichtigen Berichterstatter Werner unter — übrigens unzutreffender — Berufung auf Erfahrungen beim Betrieb belgischer Bahnen in den Verhandlungen und Protokollen erklärt hatte, dass in erster Linie der Lokalverkehr nützliche Dienste leiste und beim Eisenbahnbau zu berücksichtigen sei. Diese abweichende Ansicht, indem sie wohl den Anschauungen der Regierung, nicht aber auch ihren Anträgen entgegenstand, hatte zunächst keine praktischen Folgen; solche traten erst später mit Wirkung auf die Erträgnisse der Eisenbahnen zu Tage und sind lediglich mit Rücksicht auf spätere Verhandlungen über diese Frage und dieselben einleitend, hier zu erwähnen. Schliesslich war das Ergebnis der ständischen Verhandlungen vollständige Einigung der Kammern unter sich und mit der Regierung, nachdem letztere einzelnen Wünschen entgegengekommen war, u. a. zugestanden hatte, dass nur die Bahn Bruchsal—Ulm zweispurig, alle übrigen ein ­ spurig gebaut und dass mit Ausnahme von Stuttgart—Kannstatt auch jene Westostbahn nur mit einem Geleise belegt, die Erbauung und Erhaltung weiterer Staatsstrassen in entlegeneren Bezirken auf Grund zu exigierender Staatsmittel eingeleitet, und dass noch weitere Erhebungen über einzelne Bahnen vorgenommen, auch eine technisch-administrative Kommission für Behandlung des Baues und Betriebs der Eisenbahnen bestellt und für die Ausführung ein bewährter fremder Techniker berufen werden solle. Die bisher gefassten, einer Adresse an den Königl. Geheimrat beigegebenen Beschlüsse der Ständeversammlung vom 22. März 1843 und der Inhalt des bezüglichen Königl. Sanktionsreskripts lauten: I. Bauperiode. Siebentes Kapitel. Beschlüsse der Ständeversammlung zu dem Gesetzesentwurfe in Betreff des Baues von Eisenbahnen. § 1. Die auf Staatskosten zu bauenden Eisenbahnen sollen den Mittelpunkt des Landes, Stuttgart und Kannstatt, auf der einen Seite durch das Filsthal mit Ulm, Biberach, Ravensburg und Friedrichs ­ hafen, auf der anderen Seite mit der westlichen Landesgrenze, sowie in nördlicher Richtung mit Heilbronn verbinden. § 2. Für die erleichterte Verbindung der entlegenen Bezirke teils unter sich, teils mit den Eisen ­ bahnen, ist durch Kunststrassen zu sorgen. Zu diesem Zwecke sollen diejenigen dieser Verbindungs ­ strassen, welche einen grösseren, von mehreren andern Strassen oder mehreren Bezirken zusammen ­ treffenden Verkehr zu fördern, oder mit der Eisenbahn zu vermitteln geeignet sind, in die Ver ­ waltung des Staates übernommen oder auf Kosten des Staates gebaut werden. § 3- An dem Aufwande für die auf Kosten des Staates zu bauenden Eisenbahnen sollen auf das Grundstocksvermögen des Staates die Kaufschillinge für die Bauplätze der zu den Staatseisenbahnen notwendigen Gebäude und für die Grundflächen zu den Bahnhöfen übernommen werden.