20 Zu besserer Uebersichtlichkeit über seine Thätigkeit, seine Ziele und Vorschläge möge hier schon erwähnt sein, dass Vignoles sich nicht eben strenge an jenes sein Lehrbuch, auch nicht an die ihm erteilte Instruktion gehalten hat, dass er vielmehr bestrebt war, gesetzlich verabschiedete Bahnlinien zu verlassen, z. B. die Ostbahn ins Rems- und Brenzthal, die Südbahn in das Donau ­ thal nach Ehingen zu verlegen, und wie er anstatt gesunder Anlage von Lokomotivbahnen nach seinem eigenen System die Vermischung dieser Bahnen mit steilen Rampen von 1:40=1:20 ins Auge gefasst und mehrmals in Vorschlag gebracht hat. Dass bei aller Anerkennung seiner reichen Kenntnisse und Erfahrungen unter diesen Um ­ ständen auch mehrfache Bedenken hervorgerufen wurden, kann nicht bezweifelt werden, ebensowenig dass dieselben noch vermehrt wurden durch seine fortwährende und dringende Empfehlung des atmosphärischen Systems! welchem sonst überall misstraut wurde. Bemerkt wurde auch, wie Vignoles im Gegensätze zu der höflichen Form des Gutachtens von Negrelli die seinige zu einer recht abfälligen Kritik der vorhandenen, namentlich zu der von Bühlerschen Arbeiten gestaltete, indem er dessen Verfahren bei den Terrainaufnahmen und bei Tracierungsgeschäften aufs strengste beurteilte, dagegen jenen des Generals von Seeger übrigens vollberechtigtes Lob spendete. I_ Bauperiode. Dreizehntes Kapitel. Einzelvorschl&ge Vignoles’. Im einzelnen äusserte sich Vignoles über die ihm vorgelegten Projekte und brachte in Vorschlag: Auf der Westbahn: Verlegung des 180 Fuss langen, 160 Fuss hohen Enzviadukts zu der Bissinger Sägmühle, sodann Anwendung des Gradienten 1:125 und 1:100 im Metterthale, Tren ­ nung der beiden westlichen Bahnen beim Eckenweiherhof, Bevorzugung der Bahn nach Bruchsal vor derjenigen nach Pforzheim; ferner empfahl er, auf der Nordbahn zwischen Thamm und dem Saubach ­ thal eine Bahn mit 1:20 einzulegen und mit atmosphärischem System zu betreiben, von den in Frage gestellten Bahnen durch das Bottwar- und Zaberthal, ihrer natürlichen steilen Aufsteigungen und Ausbiegungen wegen ohne weitere Untersuchungen ganz abzusehen und die Richtung im Neckarthale beizubehalten. In Begutachtung des Projekts der Ostbahn wurde von ihm vorgeschlagen: den Bahnhof Stuttgart, anstatt an die Neckarstrasse, auf die Seewiesenfläche zwischen Friedrichs-, Kriegsbergstrasse und Realschule zu legen; ohne übrigens einen Entwurf hierüber gefertigt und vorgelegt zu haben. In längerer Abhandlung brachte er statt der von Regierung und Ständen adoptierten Fils- eine Rems ­ bahn besonders für den Fall, dass die Alb nicht mittelst des atmosphärischen Prinzips überstiegen werden dürfe, in Vorschlag. Bei Besprechung der Tracierung der Südbahn hob er die Schwierigkeiten zwischen dem Kuhberg und der Donau und das Missliche des Umwegs über Waldsee, als gegen den Geist des Eisenbahnwesens verstossend, hervor und empfahl auch hier, nicht nur die Einzelstrecken in bessere Richtung zu bringen, sondern, wie oben bemerkt, die Südbahn im Donauthal über Ehingen anstatt über Biberach anzulegen. Bei den von ihm gegebenen Aufschlüssen über allgemeine Fragen bezog sich Vignoles hinsichtlich der Steigungen und Krümmungen zunächst auf seine Aeusserungen bei Besprechung der einzelnen Strecken. Die Fragen über Baukosten und Bauzeit erledigte er durch einfache ganz sum ­ marisch gehaltene Antworten, erstere mit einem Betrag von 30 Millionen Gulden, letztere mit An ­ gabe einer 3 jährigen Zeitdauer. Für die Eisenbahnspur empfahl er eine lichte Weite von 4,805 Fuss englisch, für den Oberbau: Brückschienen auf hölzernen Längsschwellen; als Betriebsmittel: Lokomotiven mit Cylindern von 14 Zoll englisch und mit langen Kesseln.