8i Schweiz und später in Oesterreich-Ungarn an die Spitze grösserer Unternehmungen von Eisen ­ bahnen zu treten. In dem vorstehenden Text wurde zum Behuf vollständiger Darstellung des Verlaufs der Projektierungsarbeiten eingehend den erstbeteiligten württembergischen Oberbauräten v. Bühler und v. Seeger, welche immerhin in verdienstlicher, wenn auch nicht in vollkommener Weise die ersten Plane über die württembergischen Stammbahnen gefertigt hatten, und es wurde eingehendst der vom Auslande berufenen Eisenbahntechniker gedacht —; es dürfte sich daher auch geziemen, dem hochverdienten Oberbaurat v. Etzel und seinen Kollegen bei deren Abgang aus dem vorerst abgeschlossenen württembergischen Eisenbahnbau einige Worte zu widmen. Er hatte nicht nur nützliche Ratschläge erteilt, das System, die Normen und Vorschriften, und die nach den ­ selben bearbeiteten Bahnprojekte in ihren wichtigsten Teilen festgestellt, sondern auch die Aus ­ führung der Zentral-, der West- und Nordbahn bewerkstelligt. Während seiner Thätigkeit hatte sich Etzel als gewissenhafter, sorgfältiger Administrator und vorzüglicher Techniker erwiesen, der überall Oekonomie in den technischen Teil seiner Aufgaben zu bringen mit Erfolg bemüht war. Noch wirksamer aber als diese Eigenschaft war der persönliche Einfluss, den Etzel in den Kreisen seiner Fachgenossen gewann und zur Hebung ihres Standesgeistes und Pflichtgefühls zum Besten des Landes in den württembergischen Eisenbahndienst zu bringen wusste. Als er in den Staatsdienst getreten, hatte er zwar nicht mehr die Zeit, um diese seine Be ­ mühungen fortzusetzen; um so mehr aber Gelegenheit, seinen jüngeren Kollegen in seiner jetzigen Stelle zu Belehrung und nützlicher Thätigkeit zu verhelfen. Indem hierauf von anderen Technikern, namentlich auch von Seiten des Oberbaurats Klein, Veranlassung genommen wurde, die bisherigen Beziehungen zu den Kollegen fortzusetzen, in einem Verein für Baukunde zu erweitern, wurden jene Bestrebungen, der Abwesenheit Etzels ungeachtet, zu besten Erfolgen geleitet. Unter der Wärme der jetzt eingetretenen freundschaftlichen Gesinnungen der Fachgenossen ging der Samen auf, den Etzel durch hervorragende Thätigkeit und Arbeit gesät und trug goldene Frucht für das Land und für die Techniker selbst, welche sich heute in eben ­ bürtige Stellung mit den andern Beamten versetzt, gegenüber früher in erhöhten Rangverhältnissen und teilweise mit dem doppelten ihres früheren Gehalts, ihrer Berufsthätigkeit widmen. Von dem Oberbaurat C. Etzel selbst wurden während seiner Thätigkeit im württemb. Eisen ­ bahndienst allgemeine Gesichtspunkte gezeigt und ein Leitfaden für Projektierung und Bauausführung, Vorschriften und Normalien bearbeitet, welche über die ganze Bauzeit und mit um so grösserem Erfolg in Anwendung waren, je sorgfältiger und gewissenhafter sie berücksichtigt und befolgt wurden. Mit den von ihm bearbeiteten Projekten war überall im Sinne des Regierungsprogrammes vom Jahre 1842 derjenige Weg gefunden, welcher zugleich den grösseren Verkehrs- und Handels ­ zwecken, den örtlichen Ansprüchen und finanziellen Interessen angemessen war, und mit möglichst geringem Aufwand den Betriebszwecken dient. Mit anderen Worten: Es wurden von ihm die Bahnen derart gelegt und durchgebildet, dass sie allen Bedingungen gesunder und rationeller Bau ­ weise entsprachen und von in- und ausländischen Fachleuten als mustergültig anerkannt wurden. Bezüglich der Anlage mag hier bemerkt sein, dass es Nachfolge und nicht Vorgang war, als die Semmeringbahn mit ungefähr gleicher Anordnung und gleichen Gradienten, wie die württemb. Albbahn gebaut wurde — wie irrtümlich in einem neueren Geschichtswerk über das österreichische Eisenbahnwesen behauptet ist: mit der Ueberschienung des Semmering sei das Problem der Ueber- steigung grösserer Wasserscheiden gelöst worden. Wenn der Priorität der Erbauung ein höherer Wert beigelegt werden will, so hat das gewiss nicht auf Kosten der leitenden Bautechniker zu geschehen; ohne Zweifel ist jeder derselben ohne das Vorbild des andern zu dem Ergebnis gelangt, das bislang ohne allen Vorbehalt anerkannt ist. Jedenfalls kommt aber jener unrichtigen Angabe gegenüber in Betracht, dass die Albbahn bei Geislingen im Jahre 1850, jene über den Semmering erst im Jahre 1854 in Betrieb gestellt wurde. Mit dem Abschiede, den wir von dem Oberbaurat Etzel nehmen, der mit Recht als der Vater des technischen Systems unseres Eisenbahnbaues gefeiert wird, verbindet sich derjenige von I I