Die zweite mögliche Richtung — Heilbronn—Neckarsulm—Oehringen—Westernach — wurde nicht aus technischen Gründen, sondern hauptsächlich wegen kommerzieller Interessen der Stadt Heilbronn aufgegeben. Dieselbe hegte für ihren Handel die grössten Besorgnisse, wenn ein zweiter mit dem Heilbronner konkurrierender Hafen bei Neckarsulm angelegt und mit den Bahnen des Landes verbunden würde. Von den Bewohnern der Stadt und des Bezirks Weinsberg, welche ihre Interessen mit der Neckarsulmer Linie ebenfalls für bedroht hielten, wurden in schneidigen Petitionen ihre diesbezüg ­ lichen Wünsche nach allen massgebenden Behörden hingetragen. In der Kammer und Regierung von vielen Seiten eifrig vertreten, wurde diesen Einsprachen stattgegeben. Es wurde die Richtung über Neckarsulm aufgegeben und Heilbronn—Weinsberg—Oehringen —Westernach gewählt und in Behandlung gestellt. . III. Bauperiode. Achtes Kapitel. Projekte über die Bahnen Westernach—Braunsbaeh—Krailsheim und Westernach—Wasseralfingen. Hatte sich das untere Kocherthal so wenig bauwürdig erwiesen, dass Oberbaurat v. Gaab sich von ihm abzuwenden genötigt sah, so ergaben jetzt auf dem grössten Teile des oberen Kocher ­ thaies, besonders auf der Strecke Hall—Abtsgmünd, die detaillierten Aufnahmen ähnliche Formen: eine terrassierte, vielgekrümmte und tief eingeschnittene Flussrinne, welche schon bei oberflächlicher Betrachtung ersehen liess, dass die Anlegung einer Bahn bedeutende Einschnitte, Flusskorrektionen, Brücken und ungewöhnlich hohe Baukosten erfordern würde. Die Fortsetzung der von v. Gaab begonnenen Vorarbeiten ergab ausserdem derart ungünstige Richtung für den grossem Verkehr, welcher von jener Bahn bedient werden sollte, und solch hohe Baukosten, dass letztere allein schon abhalten mussten, die Bahn zur Ausführung vorzubereiten und zu empfehlen. Ueber den Bauaufwand Westernach—Wasseralfingen war ermittelt, dass sie bei 16,3 Stunden Länge nicht weniger als 12,5 Millionen Gulden oder per Stunde 750000 fl. kosten würde. Zwar hätte eine von Westernach erst auf der Höhe bei Gliemcn hingeführte und nach Oedendorf ab ­ fallende Bahn einen Aufwand von nur 8300000—9000000 fl. erfordert. Diese Richtung hätte aber Hall, das Herz des Hohenloher Landes, umgangen und mit der Bahn Westernach—Brauns ­ bach—Krailsheim wie eine Gabel umspannt. Es musste deshalb auch dieses Projekt als nicht bauwürdig erkannt werden. Nun aber wäre keinerlei rationelle Lösung der Aufgabe erzielt, keine Verbindung mit Wasseralfingen ge ­ wonnen, dem Bedürfnis der Verwaltung nicht abgeholfen gewesen. Es musste sich unter diesen Umständen der beauftragte Bauinspektor veranlasst finden, die Aufnahmen über die Höhenlage der Bodenfläche bis zur Jagstebene auszudehnen und in grösserem Umkreise zu versuchen, eine den württembergischcn Verhältnissen besser dienende Linie aus- zumittcln. Diese Untersuchung hatte ein günstiges Ergebnis; es ging aus ihr hervor, dass eine Bahn in das Jagstthal eingestellt werden konnte, welche der Kocherbahn unter allen Umständen vorzu ­ ziehen wäre, eine Balm, welche wie dem örtlichen, so dem Durchgangsverkehr bestens dienen, alle vorliegenden Bedürfnisse des Landes voll befriedigen könnte. Es war dies eine von Hall über Krailsheim durch das Jagstthal, über Eliwangen nach Wasseralfingen und in das obere Kocherthal zu legende Eisenstrasse, mit welcher nicht nur der