99 In Fortsetzung der Projektierung konnte von Westhausen ab das Jagstthal benützt, über Zöbingen in das Sechtathai und an die bayrische Grenze, oder über Lauchheim und jenseits dieses Städtchens durch einen Tunnel beim Bildwasen in das Egerthal und nach Nördlingen gelangt werden. Eingehende Bearbeitung hat ergeben, dass die Richtung über Zöbingen um 8100 Fuss länger und um 361 000 Mark teurer wäre als über Lauchheim. Und so wurde nach Wertschätzung aller lokalen Verhältnisse, sowie nach Einrechnung der eventuellen Betriebsergebnisse die Richtung Wasseralfingen—Lauchheim—Bopfingen—Nördlingen für die Ausführung gewählt. Mit Verlängerung des Tunnels auf dem Bildwasen bis zu 2000 Fuss konnte überall wie auf Strecke Wasseralfingen—Goldshöfe die Steigung 1:100 und konnten die normalen Krümmungs ­ verhältnisse eingehalten werden. Diese Richtung und das ganze Projekt, sowie der mit der bayrischen Regierung unterm 12. Januar 1861 abgeschlossene Staatsvertrag über den Bau der Bahn bis an die Landesgrenze wurde bei den Ständen verabschiedet, von Seiner Majestät dem Könige unterm 6. März 1861 genehmigt. Hierauf wurden die beiden Bauämter: 1) Lauchheim mit Bauinspektor Knoll, 2) Bopfingen mit Bauinspektor Schuster, 3) das Hochbauamt Aalen mit Bauinspektor Lang für Bearbeitung der Detailpläne und Ueberschläge, sowie für die Bauausführung eingesetzt. Bei den Terrainuntersuchungen und Probeabteufungen zeigte sich, wie schon bei Mögg- lingen, zweifelhafte Bodenfestigkeit. Den hieraus vielfach drohenden Gefahren (bei Goldshöfe, Westhausen, Lauchheim, Flochberg etc.) wurde durch Entwässerung und andere Vorkehrungen wirksamst vorzubeugen gesucht. Es hat der Oberingenieur der Bahn, welchem seiner Zeit die Rekonstruktion abgerutschter Einschnitte und Dämme im Filsthal und Erstattung eines Gutachtens über gleiches Missgeschick auf der oberen Neckarbahn oblag, bei der Beschaffenheit der Erdschichten im Remsthal für nötig erachtet, Vorkehrungen hiegegen vor Beginn der Erdarbeiten zu treffen, um gleich schlimmes Schicksal von den Erdarbeiten der Remsthalbahn abzuwenden. Es geschah dies durch Aufnahme von Vorschriften über die Behandlung der Erdarbeiten in die Voranschläge der Bauämter Lauchheim und Bopfingen, welche von Bauinspektor Knoll auf Grund der im Fils- und Neckarthal gemachten Erfahrungen nach dieser Richtung verfasst und durch die Mitteilungen fremder Techniker (Henz, Perdonnet) ergänzt und festgestellt waren. In Würdigung der Zweckmässigkeit dieser Anordnungen nahm die Königl. Eisenbahn ­ kommission Veranlassung, dieselben mittels Erlass an sämtliche Bauämter des Landes zur Nach ­ achtung ergehen zu lassen, welche seitdem vielerlei Nutzen in Württemberg und im Auslande und besten Einfluss auf den Bau der zweiten Abteilung der Remsbahn verbreitet haben. Auf der Ilems- bahn II waren nur wenige Einsenkungen in unentwässerbarem Sumpf und eine Abrutschung mit nachteiliger Wirkung zu verzeichnen. Im übrigen wurde die Detailbearbeitung und die Ausführung der Bahn Wasseralfingen— Landesgrenze bei Nördlingen ohne Anstände durchgeführt. Die Bahn wurde unterm 3. Oktober 1863 gleichzeitig mit dem von Bayern zwischen Nördlingen und der Landesgrenze erbauten Teilstück eröffnet, durch gemeinschaftliche Festfahrt und Festessen eingeweiht. Während des Baues und Betriebs haben sich ausser besagten Einsenkungen von Dämmen, einem starken Druck auf das Gewölbe des Bildwasentunnels keinerlei störende Zwischenfälle ereignet. Aber auch jener Druck übte keine andauernd nachteilige Wirkung auf den Tunnel aus.