io4 III. Bauperiode. Vierzehntes Kapitel. Uebernahme des Finanzministeriums und der Eisenbahnverwaltung durch Staatsrat v. Sigl. Die besprochenen Aenderungen in der Organisation und in dem Personaldienst war voll ­ zogen, als die Leitung des Finanzministeriums und mit ihr die Verwaltung der Eisenbahnen provi ­ sorisch in die Hände des Staatsrats v. Sigl überging. Von dem neuen Departementschef wurden in früherer Weise, wenn auch weniger per ­ sönlich, die Geschäfte weitergeleitet. Wenigstens wurden die Einzel Verfügungen weniger durch den Minister selbst behandelt; sie blieben mehr den Referenten und Vorständen der Abteilungen anvertraut, welche dadurch mehr Einfluss und Befugnisse erlangten. Ausserdem wurden Aenderungen im Personalstande beider Kollegien eingeführt: Direktor v. Schwarz übernahm die Leitung der Postverwaltung, Oberbaurat v. Klein wurde zum Direktor, Vorstand der Eisenbahnbaukommission, ernannt und ferner wurden dem damaligen Vorstande der Eisenbahndirektion, Oberfinanzrat v. Dillenius, etwas weitgehende Einräumungen bezüglich seiner Befugnisse zugestanden. Ueberall hat Staatsrat v. Sigl der Förderung des Eisenbahnbaues und Betriebes seine eifrigste Fürsorge gewidmet und eine von ihm erdachte Erweiterung des bestehenden Eisenbahnnetzes in gemeinschaftlicher Sitzung der Kollegien der Eisenbahnbaukommission und der Eisenbahndirektion zur Beratung gestellt; sie erhielt daselbst die Zustimmung dieser Kollegien, nicht aber auch jene des Königl. Geheimenrats und infolgedessen auch nicht die allerhöchste Genehmigung. Wie erstmals von Minister v. Knapp wurden jetzt von Staatsrat v. Sigl die dem Gesetze vom Jahre 1858 entsprechenden Bahnen zur Durchführung geleitet. Soweit dieselben der ständi ­ schen Verabschiedung ermangelten, wurde dieselbe durch ihn eingeleitet, und zwar durch einen den Ständen des Königreichs vorgelegten Gesetzentwurf vom Jahre 1864. Durch einen mit der grossherzogl. badischen Regierung abgeschlossenen Nachtragsvertrag erlitt dieser Vertrag später eine Aenderung, indem Württemberg die Bahnstrecke Jagstfeld—Neckarelz an Baden abtrat, dagegen die Erbauung von Jagstfeld-Osterburken übernahm. Deshalb wurde im Jahre 1864 die erstgenannte Vorlage von der Regierung aus den Kammern zurückgezogen und in vorstehendem Sinne und mit einigen Erweiterungen im Jahre 1865 aufs neue vorgelegt, wobei zu bemerken ist, dass die v. Siglsche Vorlage vom Jahre 1864 die Bahnen 1) Heilbronn—Neckarelz, 2) Mühlen—Rottweil, 3) Heilbronn—Hall, 4) Goldshöfe—Ellwangen—Krailsheim umfasst hatte. Die ersten Vorbereitungen über den Bau der Bahnen in den nordöstlichen Landestcilen waren jetzt getroffen. Die Bahn Heilbronn—Hall—Hessenthal—Krailsheim war durch die vorbesprochenen Auf ­ nahmeprojekte und Beschlüsse über dieselben im wesentlichen festgestellt; die Leitung der dortigen technischen Arbeiten war dem Oberbaurat v. Gaab auf seinen Wunsch abgenommen und an den Bauinspektor Abel übertragen. Derselbe, welcher über einige Zeit dem Oberbaurat zur Unterstützung zugeteilt war und einen grösseren Teil der Arbeiten schon kennen gelernt hatte, erhielt den Auftrag zu deren Detail ­ bearbeitung von Heilbronn bis Krailsheim nach der Richtung über Weinsberg—Oehringen—Wester ­ nach—Hall—Hessenthal—Ilshofen—Vellberg und Eckartshausen.