126 waltung bei Ausführung in eigener Hand dem Voranschlag gegenüber ebenfalls zu tragen gehabt hätte. Irgend welchen Verwilligungen dieser Art hatten aber gründliche Untersuchungen der Referenten und des Ministers voranzugehen. Minister v. Varnbüler wusste immer mit Takt und Sachkenntnis die nötigen Verfügungen zu treffen, nachdem er sich zuvor eingehend mit allen einschlägigen Verhältnissen persönlich bekannt gemacht hatte. 4) Die unter Ziffer 4 angeordnete Verwendung unregelmässig geformter, unbearbeiteter Mauersteine kam nur in ein paar Fällen zur Durchführung. Trotz der Vorschrift in verschiedenen Ueberschlägen wurden die Mauersteine immer sauberer bearbeitet, als gefordert war. Die Maurer wollten von ihrer bisherigen Behandlung des Mauerwerks nicht lassen, und in den meisten Fällen eignet sich auch das in Württemberg vorhandene Steinmaterial ungleich besser für regel ­ mässiges und lagerhaftes, als für ungeregeltes Brockengemäuer. Die Verwendung des letzteren wurde auch überall unterlassen, wo immer lagerhaft brechende Sand- und Kalksteine zur Verwen ­ dung standen und kam nur noch in Anwendung, wo Gerolle oder unregelmässig brechende Steine aus dem Ur- oder Kalkgebirge erhältlich waren. 5) Die unter Ziffer 5 befohlene Erbauung und Einrichtung von Menagen im Staatsbetriebe wurde in verschiedenen Landesteilen und in grossem Umfange vollzogen und über eine Reihe von Jahren im Betriebe erhalten; sie hatten fast überall und namentlich in minder bevölkerten Gegenden gute Erfolge: es wurde hierdurch die raschere Durchführung des Staatseisenbahnbaues erheblich gefördert, indem viele, fremde Arbeiter herangezogen wurden. Freilich haben auch viele, nament ­ lich süddeutsche Arbeiter, die Ungebundenheit in Wirts- und Privatgebäuden gegenüber der Be ­ herbergung und der Bewirtung in den beaufsichtigten Staatsanstalten vorgezogen. Noch viel mehr aber benutzten andere dankbar die gebotene Hilfe, die ihnen auch in so lange gewährt wurde, als sie für den ungehinderten Fortgang der Arbeiten dienlich oder nötig war. 6) Ebenso wurde die Wohlthat kostenfreier Versendung ihrer Ersparnisse in die Heimat von vielen Arbeitern benutzt. 1TV. Bauperiode. Drittes Kapitel. Durchführung der befohlenen Herstellung von Dienstwohngebäuden und von Horizontalkurvenkarten. 7) Die Einrichtungen der Wohn- und Dienstgebäude, ihre Form und Ausstattung, kamen ganz nach den erteilten Vorschriften zur Ausführung. In Einzelwohnungen wurden die Beamten in derart zusammengelegten Wohnungen unter ­ gebracht, dass sich nur möglichst wenig Familien in Treppe und Hauseingänge zu teilen hatten. Diese Anordnungen und die billige, wo sie zu leisten war, den Selbstkosten angemessene Hausmiete wurde stets von den betreffenden Mietern dankbar anerkannt. Hatte bei seinem Dienstantritt im Jahre 1864 der Minister allgemein Anlass zu Erbauung von Dienstwohnungen gegeben, so hat er noch speziellen Auftrag in gegebenen Fällen und immer da erteilt, wo ein Zusammenfluss von Bediensteten und ständigen Arbeitern die Einmietung in an ­ ständige Wohngelasse erschwerte, wo ausreichende Mietwohnungen um mässigen Preis nicht zu erhalten waren. Besondere Sorge wandte er den Post-, Eisenbahn- und Telegraphenbediensteten in Stuttgart zu, indem er zur Erbauung von Wohnungen für dieselben bei den Ständen die Summe von 500000 fl. exigierte und nach deren Verabschiedung und nach erfolgter königl. Genehmigung zur Ausführung stellte. Mit der Projektierung der betreffenden Bauten hatte der Minister den Oberbaurat Morlok