14 Skandinavier von den Italienern. Die Nordchinesen, etwa aus der Gegend von Peking, hochgewachsen, hellhäutig, von ruhiger Ge ­ mütsart, stetig, besonnen, konservativ; die Südchinesen, etwa die Kantonesen, kleiner, dunkelfarbig, unruhigen Temperaments, phan ­ tasievoll, künstlerisch, neuerungssüchtig. Aus Südchina, insbeson ­ dere aus Kanton, sind fast immer die umstürzlerischen Bestrebun ­ gen hervorgegangen. Im Norden dagegen hat doch fast immer die politische Macht, die feste, ruhige Staatsführung gelegen. Auch gegen ­ wärtig ist die Bewegung, die das alte Reich gestürzt hat, aus dem Süden, aus Kanton, hervorgegangen. Diesmal hat der Süden ge ­ siegt, hat Peking, die Hauptstadt seit dem Mittelalter, entthront und Nanking zum Sitz der Zentralregierung gemacht, soweit wirk ­ lich eine solche vorhanden ist. Aber das letzte Wort dieser Entwick ­ lung ist ja noch nicht gesprochen. Auch sonst entspringen dem historischen Werdegang, unter ­ stützt durch geographische Besonderheiten des Landes, verschie ­ dene Sonderbildungen innerhalb der Bevölkerung. Die Bewohner der einzelnen Provinzen, etwa von Tschili, Schantung, Schansi, ganz besonders aber in dem geographisch mannigfacher gestalteten Sü ­ den, etwa in Hunan, Kiangsi, Kweitschou, Fokien, Kwangtung, bilden alte, innerlich zusammengeschlossene Sondergruppen mit be ­ sonderem Verwandtschaftsbewußtsein, landsmannschaftlichen Emp ­ findungen, traditioneller gegenseitiger Förderung; Stammesgebilde, in mancher Art vergleichbar mit unseren Sachsen, Schwaben, Bayern, Friesen usw. innerhalb des deutschen Volkes. Auch mit dementsprechenden partikularistischen Neigungen. Seit das auf religiöser Grundlage ruhende einigende Band des Kaisertums ab ­ geschafft ist, sind diese Partikularismen noch wesentlich stärker ge ­ worden. Das bringt es mit sich, daß in den Wirren der letzten Jahrzehnte ehrgeizige örtliche Machthaber aus den alten chinesi ­ schen Provinzen vielfach fast etwas wie selbständige Königreiche haben machen können. Hierin beruht somit ein besonderes Hemm ­ nis für die Zusammenfassung der Millionenmassen der Chinesen zu einer ihrer Zahl und Kulturhöhe entsprechenden politischen Kraftwirkung. Die Grundlagen des Gemeinsamen in der ostasiatischen Kultur sind unfraglich geschaffen worden von jenem alten merkwürdigen Volke in den Lößgebieten am Hwangho. Auch die Japaner haben — über Korea — im frühen Mittelalter diese Kultur in stärkstem Maße übernommen, bis zu dem Grade, daß noch heute die japa ­