18 den müssen. Das ging durch viele Jahrhunderte. Als aber ln den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Kanonen der ameri ­ kanischen und englischen Kriegsschiffe Japan zwangen, aus seiner gewollten Isolierung herauszutreten, und als es nun mit scharfem Blick sofort erfaßte, in welch fürchterliche Welt es hineingestellt wurde, in der nur rascheste Aneignung der überlegenen materiellen Zivilisation der weißen Rasse und insbesondere ihrer Kriegs- und Geldmittel retten konnte, da wurde es schnell anders. Japan sah, daß es eine moderne Industrie zu diesem Zweck aufbauen müsse, da Ackerbau und Fischfang allein nicht die zur Modernisierung er ­ forderlichen Mittel aufbringen konnten. Das ist ihm in erstaun ­ lichem Maße gelungen. Allein es trat nun auch hier wie bei den weißen Völkern jene rapide Volks Vermehrung ein, die in Wechsel ­ wirkung mit der industriellen Entwicklung verbunden ist, indem die Industrie sowohl selbst die Menschenmassen hervorruft, wie sie sich selbst wieder um ihrer Ernährung willen steigern muß. Und heute ist es schon so, daß J apan, das Mutterland, nur 390 000 qkm groß, bereits über 65 000 000 Einwohner hat und jährlich um nahe ­ zu 1 Million zunimmt! Daneben halte man, daß Deutschland, 470 000 qkm umfassend, also 80 000 qkm größer als Japan, auch nur etwa 66 Millionen Einwohner besitzt. Die Volksdichte in Japan ist also 170 auf einen Quadratkilometer, in Deutschland nur etwa 140. Dabei sind von Deutschlands Boden doch immerhin fast 60 % für den Ackerbau nutzbar, gegen nur 17 % in Japan. Und nun denke man daran, wie sehr schon wir uns als „Volk ohne Raum“ fühlen. Wie schwer muß der Bevölkerungsdruck in Japan sein! Japans Staatsleitung weiß das, und wir erkennen deutlich, wie sehr seit Jahrzehnten infolge dieser geographischen Verhältnisse ein Haupt ­ faktor der japanischen Politik die Erwerbung von Außenbesitzun ­ gen ist, die diesen Bevölkerungsdruck lindern, um einer sonst un ­ ausweichlichen Katastrophe vorzubeugen. Japan hat einen Krieg mit dem so viel größeren China gewagt, um Koreas sich bemäch ­ tigen zu können. Aber damit ist noch nicht viel geholfen ge ­ wesen, denn Korea ist selbst schon in seinen brauchbaren Teilen stark bevölkert. Da hat es denn seinen Blick nach der Mandschurei gerichtet, jenem Land, auf das auch schon die russische Politik die Hand zu legen begonnen hatte. Auch mit dem russischen Koloß hat es den Waffengang gewagt und ihm den südlichen Teil seiner mandschurischen Eisenbahnen entrissen, die Halbinsel Liautung, die Plätze Port Arthur und Dalnij, und hat damit die südliche