20 trotz dieses Mißerfolges seines Siedlungsgedankens die stärksten Ursachen hat, an seiner Mandschureipolitik festzuhalten. — Schauen wir nun hinüber nach China, so liegen die natürlichen Verhältnisse vielfach ganz anders als in Japan. Hier findet sich reicher Raum zur Entfaltung einer ackerbaulichen Bevölkerung, insbesondere in Nordchina, aber auch in den Verebnungen und Tal ­ böden des mittleren und südlichen. Richthofen macht in seinem Monumentalwerk eine Schei ­ dung zwischen Nord- und Südchina auf Grund des orographischen Baus. Als Grenze zwischen beiden nimmt er das mächtige, ungefähr westöstlich streichende Gebirge Tsinlingschan, eine Fortsetzung des Kunlungebirges von Tibet, und seine Verlängerung, den Hwai- schan, der in der Gegend der Yangtsemündung endigt. Er tut dies mit außerordentlich durchschlagenden Gründen: im Norden ein Gebiet, wo die Verflachungen vorherrschen. Hier dehnt sich vor allem die „Große chinesische Ebene“ aus, eine der größten Ebenen der Erde mit einem Lockerboden von höchster Fruchtbarkeit, ein Hauptsitz der Millionenmassen der chinesischen Bevölkerung, eines der ausgesprochensten Agrargebiete der Welt. Aber auch die ge ­ birgigen Gebiete Nordchinas, insbesondere der Nordwesten, die Provinzen Schansi, Schensi, Kansu, sind vorwiegend Tafelländer, deren Geländeformen außerdem noch stark ausgeflacht werden durch die Bedeckung mit dem staubentstandenen Löß, von dem wir schon sprachen. Diese, man kann so sagen, Muttererde der alten chinesischen Kulturentwicklung ist im Süden der Tsinlingschan- Hwaischan Grenze fast gar nicht mehr zu finden. Da auch die Große Ebene im wesentlichen aus dem von den Flüssen umgelagerten Löß besteht, so herrscht er auch in dieser. Die Folge davon ist eine außerordentliche Gleichförmigkeit und Gleichartigkeit des Boden- anbaus, der Bodenfrüchte, der gesamten Lebensweise. Anders Süd ­ china, das fast durchweg ein vielgestaltiges Mittelgebirgsland ist, mit starker Sonderung in natürliche Einzellandschaften, mit einer großen Vielfältigkeit der Zusammensetzung des vom Löß nicht ver ­ hüllten Bodens und einer darauf gegründeten viel größeren Mannig ­ faltigkeit der agrarischen Kultur und einer viel reicheren stamm- lichen Sonderung der Bevölkerung. Auch klimatisch sondert sich Richthofens Nord- und Südchina. Nördlich von Tsinlingschan- Hwaischan schroffer Wechsel zwischen Sommer- und Wintertempe- ratur, völliger Stillstand der Vegetation und damit des Ackerbaus im Winter wie bei uns oder in Rußland. Südlich von dem Grenz ­