22 ländische Machtpolitik verfolgt und die Grenzen seines Reiches weit nach Inner- und Südasien vorgetragen; niemals aber hat es überseeische Eroberungszüge gemacht. Die oben erwähnte Flotten ­ unternehmung gegen Japan ging von einem Fremdherrscher, dem Mongolenkhan Kublai, aus. Auch im Binnenlande ist das Verkehrswesen Südchinas stark verschieden von dem nordchinesischen. In Südchina spielt der Wagen verkehr eine sehr geringe Rolle, ja südlich vom Yangtse- kiang gab es bis zur Einmischung der Europäer eigentlich über ­ haupt keinen Wagen; noch heute ist die Bewegungsfähigkeit des Wagens dort sehr beschränkt durch das gebirgige Gelände und die diesem angepaßten Straßen, die schmale Fußpfade sind, zum Teil Treppenwege, mit entsprechenden Brücken, auf denen man zu Fuß geht oder reitet oder sich in Sänften tragen läßt. Auf minder ge ­ birgigen Strecken wird auch die einrädrige Schiebkarre des Nordens noch gebraucht, aber kein Wagen. Dafür aber findet auf den Flüs ­ sen und Seen Südchinas — auch wieder ganz im Gegensatz zum Norden — ein überaus starker Binnenschiffahrtsverkehr statt, mit Dschunken, Sampans und Flößen, der sogar den Landverkehr quan ­ titativ übertreffen dürfte. So erscheint also die Richthofen sehe Sonderung von Nord- und Südchina auch in dieser Hinsicht wohl begründet. Eingewendet kann nur die starke räumliche Ungleichheit der beiden Teile wer ­ den, da Nordchina sehr viel kleiner ist als Südchina, wenn man es im Norden, wie üblich, mit der Großen Mauer enden läßt. Fügt man aber noch die Mandschurei hinzu, wie nach der amtlichen Auf ­ fassung der gegenwärtigen chinesischen Zentralregierung richtig ist — und auch geographisch rechtfertigen das der Oberflächenbau und das Klima sehr stark — dann sind die beiden Teile Chinas, die Tsinlingschan-Hwaischan trennen, auch annähernd gleich groß. Lassen wir die Mandschurei, die bis vor kurzem ja auch offiziell als nicht zum „eigentlichen“ China gehörig betrachtet wurde, bei ­ seite, dann bietet sich noch eine andere, sehr populäre Einteilung in Nordchina, Mittelchina und Südchina dar, die charakterisiert wird durch die Gebiete der drei Hauptströme des Landes: Hwangho, Yangtsekiang und Sikiang. Der Hwangho ist der klassische Fluß Altchinas. An seinen Ufern ist die alte Kultur der Chinesen in grauer Urzeit entstanden. Und nicht nur rein topographisch an ihm, sondern er ist auch im tieferen Sinne damit verknüpft. Wie auch in anderen Gegenden