24 ren, Überschwemmungen, Hungersnöten, Verarmung der schlimm ­ sten Art — eine ungeheure Zunahme der Volkszahl. Neuere Ver ­ suche zu Volkszählungen haben durchweg nicht die kleinen, sondern die größten Ziffern der bisherigen Schätzungen bestätigt. Nach ihnen ist die Zahl der Chinesen heute nicht weit von 500 Millionen. Ganz zuverlässige Volkszählungen besitzen wir in China immer noch nicht, vollends nicht jetzt in den Wirren. Ganz besonders dicht scheint die Große Ebene in der Gegend von Schantung besiedelt zu sein. Hier haben vor einiger Zeit einmal englische Missionare in der Nachbarschaft von Tsinanfu auf einem bestimmten Raum eine eigene Zählung versucht und sind dabei zu der abenteuerlichen Ziffer von über 800 Menschen auf den Quadratkilometer gekommen! Das kann natürlich auch der unendlich bedürfnislose chinesische Bauer nicht durchhalten. Und so ist es denn vor allem die Große Chinesische Ebene, und besonders die Provinz Schantung, aus der neuerdings jene ungeheure chinesische Auswanderung nach der Mandschurei stattfindet. Im stärksten Gegensatz zu dem Hwangho steht der größte Strom Chinas, der Yangtsekiang. Er ist durch das ganze Land hin ­ durch, bis zum äußersten Westen hin schiffbar — wenn auch inner ­ halb seiner Durchbruchsschlucht zwischen Szetschwan und Hupe mit großen Gefahren — und vielleicht der verkehrsgewaltigste Strom der Erde überhaupt. Um so mehr, als auch seine nach beiden Seiten in wunderbarer Regelmäßigkeit ausgreifenden Nebenflüsse weithin nach Norden und Süden den Bereich seines großartigen Verkehrs ­ systems ausdehnen. Bis nach Hankau, im Herzen Mittelchinas, trägt er sogar Seeschiffe hinauf, 1000 km weit ins Innere, und darauf beruht die außerordentliche Bedeutung dieses neuerdings so viel genannten Handelsplatzes. In seinem Mündungsgebiet ist Schanghai der Vermittlerort zwischen dieser gewaltigen Binnenschiffahrt und dem Weltverkehr. Mit über drei Millionen ist es heute die größte Stadt Asiens geworden. In seiner „internationalen Siede- lung“, geschützt durch die Kriegsschiffe und Truppen der fremden Nationen, hat sich auch der Großteil der bisherigen modernen In ­ dustrie Chinas niedergelassen und des nach modernen kapitalisti ­ schen Methoden arbeitenden Reichtums der Chinesen. Der drittgrößte Fluß Chinas, der Sikiang, kann zwar nicht mit dem Yangtse an Bedeutung wetteifern. Allein er trägt auch einen bedeutenden Verkehr und hat an seiner Mündung die Stadt Kanton entstehen lassen, die schon seit dem Altertum ein Haupteingangs ­