25 tor des Außenhandels von China und noch heute eine der volk ­ reichsten und lebensvollsten Städte Chinas ist; seit langem auch mit seiner unruhigen Bevölkerung ein Herd von Umwälzungen. Hier ist die Heimat Sun Yat-sens, des Schöpfers des modernen republikanischen und patriotischen Chinas. Draußen, unmittelbar vor der Mündung des Sikiang, erhebt sich der steile Felsberg von Hongkong, seit 1842 Sitz der britischen See ­ zwingburg in den chinesischen Gewässern. — Die Mandschurei endlich ist bis vor kurzem, in allen Staats vertrü ­ gen zwischen China und anderen Mächten, auch J apan, staatsrechtlich als durchaus zu China gehörig behandelt worden. Fast könnte man sagen, daß es eigentlich auch umgekehrt ausgedrückt werden könnte, daß China zur Mandschurei gehört, da 1644 China von den Mandschu erobert worden ist. Aber die Fürsten der Mandschu, die sich auf dem Drachenthron Chinas rasch chinesierten, eine außerordent ­ liche Neublüte Chinas herbeiführten und das chinesische Gesamtreich zu dem Umfang erweiterten, wie es, eine Million Quadratkilometer größer als ganz Europa, noch heute auf unseren Atlanten dargestellt wird, haben selbst ihr nördlich von der Großen Mauer gelegenes Stammland stets wie ein Außenland des eigentlichen China be ­ handelt. Es war nicht in den Yerwaltungsapparat der alten Pro ­ vinzen mit einbezogen, den Chinesen keine Freizügigkeit dorthin gestattet, im Gegenteil, die Daueransiedlung von Chinesen in der Mandschurei, der Erwerb von Grund und Boden dort, war ihnen verboten. Die Kaiser und der mandschurische Adel behielten ihre Güter und Jagdgründe dort, sie pflegten die schöne Residenz ihrer Vorfahren Mukden, aber sie taten wenig für die kulturelle Ent ­ wicklung der Mandschurei. Im Gegenteil, da die mandschurischen Familien mehr und mehr nach China hin abströmten, wo ihnen Einfluß und Reichtümer winkten, wurde das Land geradezu men ­ schenleer und verödet. Erst gegen Ende der Mandschuherrschaft, als in China selbst der erwähnte Bevölkerungsdruck anfing sich bemerkbar zu machen, begann eine Änderung der Politik. Noch im vorigen Jahrhundert machte man die südlichsten Teile der Mand ­ schurei, unmittelbar vor der Großen Mauer, zu einer richtigen Pro ­ vinz (Schöngking, heute Fengtien); Einwanderung wurde gestattet, der Hafen Niutschwang dem Fremdenverkehr geöffnet, und das Land begann emporzublühen. Aber der weitere Norden und Osten war noch der Außenwelt fast unbekannt. Selbst die politischen Grenzen waren niemals recht festgelegt worden. Es geschah das