26 1860 nach einem Konflikt mit Rußland. Als Nordgrenze wurde der Amurstrom bestimmt und als Nordostgrenze sein Nebenfluß Ussuri, so daß Rußlands Besitz die Mandschurei auch von Osten her ein ­ faßte und vom Meere abschloß. Diese für jeden europäisch gewöhn ­ ten Staatsmann erstaunliche Grenzziehung zeigt noch einmal die geringe Bedeutung, die diese Grenzgegend überhaupt in den Augen der chinesischen Regierung besaß, und das oben schon erwähnte mangelnde Interesse und politische Verständnis für das Meer und den Zugang zu ihm. Die Konsequenzen der neuen Lage ließen nicht auf sich warten. Es begann, namentlich auch von seiten der Russen, eine wissen ­ schaftliche Erforschung der Mandschurei. Sodann eine politische Durchdringung. Rußland erzwang von China die Durchführung der transsibirischen Eisenbahn durch die nördliche Mandschurei nach seinem am Japanischen Meere gegründeten Hafen Wladiwo ­ stok sowie die Überlassung eines „Pachtgebietes“ auf der südwärts ins Gelbe Meer vorspringenden Halbinsel Liautung, wo es den Hafen Dalny und die starke Festung Port Arthur erbaute. Es war mehr als deutlich, daß eine vollständige Angliederung der Mand ­ schurei an Rußland im Lauf der Entwicklung lag. Das erkannte vor allem Japan und griff von Korea aus ein durch den erwähnten siegreichen Krieg, durch den es Rußland zwang, das Pachtgebiet am Gelben Meer an Japan abzutreten mitsamt der von dort an die nordmandschurische Bahn bei Charbin heranführenden Zweigbahn. Seitdem herrschte nun in der südlichen Mandschurei der japanische Einfluß vor; der russische beschränkte sich auf die nördliche. Jede von beiden Mächten entwickelte die wirtschaftlichen Hilfsquellen in ihrem Einflußbereich. Und nun stellte es sich immer mehr her ­ aus, was für ein wirtschaftlich äußerst wertvolles Gebiet die bisher so vernachlässigte Mandschurei ist. Die gewaltigen Flächen ebenen oder welligen Landes zwischen den östlichen und westlichen Rand ­ gebirgen, größtenteils wie in Nordchina aus fruchtbarem äolischem Löß gebildet oder aus ebenso fruchtbaren Flußanschwemmungen, durch die hohe Sommerwärme und die reichen Monsunregen für den Ackerbau höchst geeignet, erwiesen sich als ein Gebiet ergiebig ­ ster landwirtschaftlicher Produktion verschiedenster Art. Die Berg ­ gegenden enthielten ungeheure Wälder und der Untergrund barg Bodenschätze: ausgezeichnete Kohlen, Eisenerze, Erdöl und anderes von höchstem Wert. Rußland sowohl wie besonders Japan taten Außerordentliches, um durch Schaffung von Verkehrswegen, Er-