31 wendig sind, und schließlich eine nicht zu überbietende Genügsam ­ keit und Anspruchslosigkeit. Wenn auch in der Nabe der großen Städte sich in beschränktem Maße neue Methoden det Bodenbearbeitung usw. durchzusetzen beginnen, so hält der chinesische Bauer im allgemeinen doch mit zäher Beharrlichkeit an den durch die J ahrhunderte überkommenen und erprobten Arbeitsmethoden fest. Änderungen in dieser Rich ­ tung herbeizuführen, bedarf langwieriger, mühsamer Beeinflus ­ sung, nicht nur, weil der chinesische Bauer, wie die Bauern der gan ­ zen Welt, konservativ eingestellt ist, sondern vor allen Dingen auch, weil ihm die zu einer Umstellung (Anschaffung modernen Ge ­ rätes, Maschinen, Düngemittel usw.) notwendigen Betriebsmittel fehlen. Die chinesischen Bauern sind arm. Sie waren es immer und sind es in jüngster Zeit ganz besonders, denn in großen Teilen Chi ­ nas leiden sie unendlich unter den innerpolitischen Schwierigkeiten, den Generalskriegen, dem Bandenunwesen, dem Steuerdruck und den — bald hier, bald dort — auftretenden Naturkatastrophen, mö ­ gen sie als Dürren oder — wie 1931 — als Überschwemmungen weite Gebiete zerstören. Die ungeheure Wasserkatastrophe des Vor ­ jahres hat Millionen chinesischer Bauern um ihr letztes Hab und Gut, d. h. nicht nur um das lebende und tote Inventar, sondern auch um den Boden gebracht. Es ist unter diesen Umständen durchaus nicht verwunderlich, daß seit einer Reihe von J ähren in vielen Gegenden Chinas erheb ­ liche Verschiebungen in den Eigentumsverhältnissen vor sich gehen, d. h. ein nicht geringer Teil bäuerlicher Eigentümer zu Pächtern wird. Ihre Lage wird dadurch noch schwerer als sie bisher schon war. Wenn auch die Pachtverhältnisse in den verschiedenen Gebie ­ ten des unermeßlichen Reiches mannigfache Verschiedenheiten aufweisen, so kann man generell doch sagen, daß, an europäischen Verhältnissen gemessen, die bäuerlichen Pachtzinsen, die teils in bar, zum überwiegenden Teil aber in Naturalien entrichtet werden, außerordentlich hoch sind. Daß die schlechte Lage weiter Teile der chinesischen Bauern ­ schaft einen äußerst günstigen Boden für die politische Agitation darstellt, braucht kaum erwähnt zu werden. Wenn sich heute die bäuerliche Bevölkerung in großen Distrikten Chinas in Unruhe und Unrast befindet und wenn kommunistische Tendenzen sich in ihr durchzusetzen versuchen, so ist das nur zu begreiflich in einer Zeit, die fast unerträglich auf den an sich so geduldigen, ruhigen,