32 arbeitsamen chinesischen Bauern lastet. Aus den von Zeit zu Zeit in der europäischen Presse auftauchenden Alarmnachrichten jedoch die Schlußfolgerung zu ziehen, daß China über kurz oder lang dem Kommunismus bzw. Bolschewismus als reife Frucht in den Schoß fallen werde, ist sicher nicht richtig. Chinas Bauern kennen nur einen Wunsch: Ruhe im Lande, und sie haben nur eine Hoffnung, daß sie bald hergestellt sein möge. Kehren aber einmal wieder Ruhe und Ordnung zurück, dann ist der chinesische Bauer der erste, der, unbeeinflußt und unbeeinflußbar durch alles, was ab ­ seits seines Dorfes vor sich geht, seinen Acker bestellen und ihm in harter Arbeit seine Erträge abringen wird. Gegenüber seiner auf etwa 350 bis 370 Millionen Menschen zu schätzenden bäuerlichen Bevölkerung spielt Chinas Industriearbei ­ terschaft zahlenmäßig eine relativ geringe Rolle. Mag man sie auf drei Millionen, mag man sie auf das doppelte schätzen, sie stellt immerhin bei rein statistischer Betrachtung nur einen geringen Bruchteil der chinesischen Gesamtbevölkerung dar. Trotzdem ist sie nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch ein wichtiger Fak ­ tor, denn sie zeigt einen großen Teil jener Züge, die wir von der europäischen Fabrikarbeiterschaft aus der Zeit kennen, in der sich die europäischen Agrarstaaten zu Industrieländern zu entwickeln begannen. Ein großer Teil der heutigen chinesischen Industriearbei ­ terschaft, die zusammengeballt in den großen Städten des Landes (Schanghai, Kanton, Hankau, Tientsin usw.) lebt, steht unter dem Einfluß gewerkschaftlicher, sozialistischer, kommunistischer Ideen des Abendlandes, d. h. ist mehr oder minder radikal eingestellt. Sie kämpft um die Verbesserung ihrer Lage, der Arbeitsbedingun ­ gen, der Arbeitszeit, des Arbeitslohnes. Die Methoden, die dabei entwickelt werden, gleichen vielfach denen in den industriell wei ­ ter vorgeschrittenen Ländern: Bildung von Berufsverbänden, Gil ­ den, Gewerkschaften und ihre geschlossene Einsetzung bei Streiks, Demonstrationen usw. Wenn auch die Arbeitsbedingungen des chi ­ nesischen Industrieproletariats während der letzten Jahre ganz zweifellos mancherlei Verbesserungen in bezug auf Arbeitszeit und Lohn, Verhältnisse in den Fabriken, Frauen- und Kinderarbeit zei ­ gen, so ist alles in allem doch noch vieles, selbst wenn man nicht mit europäischen Maßstäben mißt, verbesserungsbedürftig. Das kann gar nicht anders sein in einem Land, das erst in den allerersten An ­ fängen seiner Industrialisierung steckt.