Die politischen Probleme des Fernen Ostens V on Generalsekretär Dr. F. W ertheimer, Stuttgart Das gewaltige Ringen im Fernen Osten, dessen Zeugen wir sind, und dessen Zeugen auch noch, die nächsten Generationen sein wer ­ den, entspringt aus geographischen und wirtschaftlichen Tatsachen, die in den beiden vorangegangenen Vorträgen geschildert worden sind. Es erscheint auf den ersten Blick fast unnatürlich, das kleine Japan im Angriff gegen das gewaltige China zu sehen, das Land der 60 oder 70 Millionen Menschen gegen das Riesenreich der 450 oder 470 Millionen, das Inselland mit seinen verhältnismäßig kärg ­ lichen Schätzen des Bodens und dem mühsamen Betrieb seiner Land ­ wirtschaft gegen das an Bodenschätzen so gewaltige China! Das Rätsel löst sich aber rasch bei einer Betrachtung der politischen Lage, wie sie sich geschichtlich entwickelt hat, und der Ziele, um die ein Kampf geht, den man zwar nicht Krieg nennen darf, um die Genfer Gemüter nicht zu beunruhigen, der aber doch in Wirklich ­ keit eben ein Krieg ist. Will man das Ziel dieses Kampfes in knappen Worten erläutern, so liegen die Dinge so: Japan, ein stark übervölkertes Land mit großem Geburtenüberschuß, das bislang durch Befolgen des deut ­ schen Beispiels: durch rasche Industrialisierung seinen Geburten ­ überschuß unterzubringen und zu ernähren wußte, erkennt in der Wirtschaftskrise die Grenzen dieser Industrialisierung. Es hat aber auch im Weltkriege die Folgen mangelnder Ernährungsmöglich ­ keiten des eigenen Volkes und mangelnder Versorgung der Kriegs ­ industrie mit eigenen Rohstoffen am deutschen Beispiel studieren können und strebt nun darnach, seine enge und schmale Basis der dem asiatischen Kontinent vorgelagerten vielen Inseln durch Fest- 4 49