52 Wohl errichteten die Vereinigten Staaten von Amerika und Austra ­ lien beizeiten diesem unerwünschten Zustrom gegenüber durch Ein ­ wanderungsverbote Barrieren, wohl setzten auch die Russen zur Zarenzeit wie unter dem Sowjetregime der chinesischen Besiedelung und Durchdringung der reichen Mongolei Schranken, aber in Nieder- ländisch-Indien und Siam hat sich China eine eben so feste Außen ­ position geschaffen, wie in dem ehemaligen Aufiengebiet der Mand ­ schurei, die seit 1644, der Aufrichtung der Mandsdiuherrschaft über China, als Stammland dieser Mandschudynastie zunächst bewußt von chinesischer Einwanderung freigehalten worden war, aber in den letzten drei Jahrzehnten immerhin die größte Wanderungs ­ bewegung der Welt, eine Einwanderung von vielleicht 15 bis 20 Mil ­ lionen Nordchinesen erlebte und so heute zu einem chinesischen Kultur- und Wirtschaftsgebiet geworden ist. Gerade weil aber an ­ dere Auswanderungsziele ihm verschlossen sind, weil es nicht im ­ stande ist, überseeische Kolonisation so großzügig zu betreiben wie Japan, eine rasche Industrialisierung oder Binnenerschließung bei dem gewaltigen eigenen und Weltkapital-Mangel ins Werk zu setzen oder auch nur die durch eigene Schuld und höhere Gewalt bedrohten Siedlungsgebiete im Innern zu sichern und zu schützen, gerade deshalb braucht China heute die noch für Dutzende von Millionen besiedelbare Mandschurei als für seine Bevölkerung ge ­ eignetes Siedlungsgebiet. Das ist der Kern der heutigen und der künftigen Auseinandersetzungen im fernen Osten. Es scheint erwünscht, gleich zu Beginn dieser Darlegungen die ­ sen Kernpunkt der Gegensätzlichkeiten darzulegen. Wir werden noch sehen, wie sich die Dinge geschichtlich entwickelt haben und wie verwickelt sie sich durch das Dazutreten so mancher politischer und wirtschaftlicher wie auch geistiger Nebenumstände gestalten. Den Anstoß zu dieser ostasiatischen Entwicklung und Verwick ­ lung haben Europa und Amerika gegeben. Wir brauchen, um die politische Problematik des fernen Ostens zu verstehen, nicht ge ­ schichtlich in die Zeiten frühester J ahrhunderte zurückzugreifen. Es genügt völlig, nur das vergangene Jahrhundert zu überblicken, das unter dem Zeichen verkehrstechnischer und weltwirtschaftlicher Ausdehnung und Entwicklung stand, im Zeichen einer weltpoliti ­ schen und weltwirtschaftlichen Verflechtung, der sich kein Land und keine Macht entziehen konnte, und von der kein Gebiet dieser Welt verschont blieb, mochte es in Asien oder in Australien, in Afrika oder in Amerika liegen. Der Konflikt im Fernen Osten ist