24 Einleitung „Zunftmeister" aller Geistlichen, den Papst, mit seinen Sarkasmen nicht verschonte, versteht sich von selbst. Es ist ihm ein Bedürfnis, die Bezeichnung des Papstes „Seine Heiligkeit" zu verkehren in „Seine Heillosigkeit" (1483, 1508); die römischen Ablässe sind ihm eitel Be- trug, über den er sich in bitteren Worten ausläßt, ebenso alle übrigen Gnaden, die von der gottlosen Tiberstadt herkommen, und ein so kriegerischer Papst wie Julius II. war ihm, dem Friedensfreunde, ein wahrer Greuel. Solchen Äußerungen der Abneigung gegen die römische Kirche und ihre Diener stehen, wie in anderen Werken Jägers, so auch in der Weberchronik zahlreiche Zeugnisse leidenschaftlicher Begeisterung für die von Wittenberg ausgegangene religiöse Bewegung gegenüber. „Dies ist das gnadenreiche Jubeljahr," heißt es unter 1520, „darinnen das wahr, lebendig Wort Gottes durch den ehrwirdigen und hoch ­ gelehrten Herrn und Vatern Doctor Martin Luther in Teutschlanden ausgeprochen," und daran anschließend wendet er sich mit scharfen Worten gegen den Augsburger Bischof Christof von Stadion,der sich von seinen Geistlichen für die mit ihnen lebenden Konkubinen Geld zahlen lasse und somit nichts anderes als „ein theurer Frauen ­ wirt" sei. Einmal erwähnt Jäger auch die Wiedertäufer (1528), deren Treiben er, obwohl ihr Eifer und ihre Standhaftigkeit im Leiden ihm sichtlich Bewunderung abnötigt, mißbilligend gegenübersteht. Er tadelt es, daß man sie „zu lang einwurtzen lassen", und spricht den Verdacht aus, daß dies geschehen sei, weil „etlich hohe Personen in der Obrigkait, so dem Wort Gottes nicht so gar günstig warend, vermainten, so mans wol einwurtzen laß, daß alsdann ainer mit dem andern aus der Stat zu Prinzen were". Dem Herzog Wilhelm von Bayern, „einem Erhalter des Stuhls in Rom", kreidet er (1527) die heftigen Verfolgungen schwer an, die er über die aus seinem Lande zur evangelischen Predigt nach Augsburg wandernden Unter ­ tanen verhängte, ebenso den Anschlag, den er zur Gefangennahme des den bayerischen Boden betretenden Augsburger Prädikanten Michael Keller ins Werk setzen ließ. Der Geist der scharfen, während des Augsburger Reichstages von 1530 einsetzenden Reaktion gegen das Evangelium wird in einigen kurzen, mißbilligenden Andeutungen richtig gekennzeichnet, aber desto größer ist der Triumph des Chronisten, daß „das Wort Gottes" sich trotz aller gegnerischen Unterdrückungs ­ versuche siegreich behauptete. Als in Augsburg im Jahre 1537 endlich