Glossar zu dem Texte der Weberchronik Clemens Jägers nebst den Anmer kungen und zu den Beilagen II, III, IV In sprachlicher Beziehung verrät alles von Clemens Jäger Geschriebene mit Aus ­ nahme des unter dem Namen des Hans Jakob Fugger gehenden, zum Ruhme des Hauses Habsburg verfaßten „Ehrenwerkes", das vor der endgültigen Niederschrist von fremder Hand „emendiert" wurde, die Flüchtigkeit des Vielschreibers, der sich nicht die Zeit nimmt, seine Konzepte ordentlich durchzuarbeiten und deren Fehler erst in der von einem ihm zur Verfügung stehenden Kunstschreiber gefertigten Reinschrift bemerkt, in der er, um das schöne Schriftbild nicht zu verderben, nichts mehr oder nur ganz wenig zu korrigieren wagt. Die Edition eines Jägerschen Werkes bietet deshalb mancherlei Schwierigketen, da jedes, wenn man nicht störende Nachlässigkeiten, die manchmal an Unsinn grenzen, drucken lassen will, mehr oder weniger eine korrigierende Bearbeitung erfordert, die versehentliche Aus ­ lassungen von Worten und Satzteilen durch Ergänzungen in Ordnung bringt, Wieder ­ holungen von solchen ausschaltet und die oft verwirrte Stellung der Worte innerhalb eines Satzes berichtigt. Solche Mängel konnten sich bei Jäger um so leichter ein ­ schleichen, als die syntaktische Gliederung seines Stiles durch lange Sätze, die er sorglos durch Relativpronomina oder kontinuierende Partikel in intinttum aneinander ­ reiht, unübersichtlich wird und bewirkt, daß der Autor in der Mitte manches Band ­ wurmsatzes nicht mehr weiß, wie er ihn angefangen hat und, ohne es zu merken, aus der Konstruktion fällt. Natürlich ist er auch nicht frei von den seinem Zeitalter allgemein eigentümlichen stilistischen Manieren, deren eine, die besonders auffällt, als übergründliche Schwerfälligkeit zutage tritt, kraft deren man ein einziges Wort —sei es ein Verbum, Substantiv oder Adjektiv —, welches das, was man sagen will, hinreichend zum Ausdruck bringt, durch zwei oder drei daneben gestellte Worte noch bekräftigt, gesteigert, erweitert, wodurch oft recht Geringfügiges zu unver ­ hältnismäßig großer Wichtigkeit aufgeblasen wird. Auch gefällt sich Jäger in allerlei Neubildungen von Worten, ansprechenden und mißglückten, die zeigen, was er sich in solchen Dingen zutraute, und im Gebrauch von Fremdworten, meist in Ver ­ bindung mit dem synonymen deutschen Wort, mit dem er sich hätte begnügen können. Bei all diesen und anderen Mängeln im Stil und seiner oft allzugroßen, manchmal etwas aufdringlichen Redseligkeit und Breite zeigt Jäger in seinen größeren Arbeiten doch ein unverkennbares Erzählertalent, überhaupt eine angeborene schriftstellerische Begabung. — In den Anmerkungen werden zum guten Teil Auszüge aus den von dem damaligen trefflichen Stadtschreiber Walfang Hebenstreit musterhaft geführten Ratsbüchern gegeben, in der Kommentierung der Schusterchronik Auszüge aus dem Zunftbuch der Schuster, das die urwüchsige Sprache des „gemeinen Mannes" in der Zeit des X V. Jahrhunderts spiegelt. Das Verfahren bei Herstellung des Glossars Yt das gleiche wie das bei der Abfassung des Glossars in Band VII und VIII der Augsburger Chroniken. 3- R.