Nr. 2. Neubauten und Concurrenzen in Oesterreich und Ungarn. Seite 11. Ausnahmen eine Verbauung mit sechs ”*) Geschossen und eine Wohnhaushöhe von 25m bis zur obersten Gesims- kante zulässig, ohne Rücksicht auf die Strassen-Breite oder -Enge und ohne Unterschied, ob es sich um die Ver- bauung von »grünem Anger« oder des theuersten Bau- grundes handelt. Dieselbe Vorschrift gilt auch für die Hauptstrassen der übrigen Bezirke, in deren sonstigen Theilen über. dem einen Erdgeschosse nicht mehr als drei, bezw. in den ausgenommenen Wohnhausvierteln nicht mehrals zwei Stockwerke sein dürfen. Die Geschoss- zahl fällt, wie sieht, unvermittelt von 6 auf 4 und 3 herab. Es ist daher sachgemäss, die ohnedies übergrosse theilen und hiebei eine Meistzahl von erste Hauz sechs Geschossen bloss für die innere Stadt sammt angren- zenden Theilen und für die wichtigsten Strassen der Bezirke II bis IX zu belassen, hingegen eine zweite Bauzone mit höchstens fünf Geschossen zu bestimmen, welche sich im Allgemeinen auf’ die Seitengassen der Be- irke II IX, dichter verbauten Theil des <. Bezirkes und die Hauptstrassen der Aussenbezirke zu °k« bis auf den tre«i ;n hätte, deren geschlossen verbaute Theile die dritte Bauzone mit höchstens vier Geschossen ebenso wie jetzt bilden. würde. Mit einer. solchen Eintheilung ist es gut möglich, ı derzeitigen Grundwerthen anzupassen, also die leichsam erworbenen Rechte der Baugrund-Besitzenden ächtigen, andererseits aber zu Gunsten des Wohles die Verbauung gesundheitsgemäss zu regeln. Die Beschränkung der Geschosszahl in der oben- Zone auf fünf ist durchaus harte Massregel, denn es beträgt die Zahl von Ge- mit mehr als 5 bezeichneten 2. von sechs der. amtlichen m Jahre 1890, abgesehen vom IX. Bezirke, dem Schottenringe nahe ‚gelegener Theil ohnedies rste Zone fallen würde, nur im IlI., IV. und VI. Be- nehr als 2:5%, und überschreitet nur im IV. Bezirke die Obere Grenze von 6’; für den X; Bezirk stellt sich dieser Percentsatz nur auf 0:41. Geschossen nach Gebieten für jäuser im engeren Sinne und für.industrielle Bauten den derzeit schon bestehenden Mit sonach, ebenso wie in Budapest, fünf Bau- leren‘ jede passenden, also: zum Theile unter- einander abweichenden Vorschriften zu unterwerfen wäre. DZ: Esist daher im Grunde genommen nicht bloss eine, sondern Reihe von Bauordnungen ‚erforderlich. In einer Be- allerdings scheint nicht bloss aus gesundheitlichen Rücksichten eine und auch un einheitlich giltige Bestimmung nothwendig schwer durchführbar. Dieselbe bezieht sich die nie unter 3m während das Gesetz vom Jahre 1890 für die Geschosshöhe, auf betragen soll die äusseren Stadtbezirke. dieselbe geringe Lichthöhe von 2:6 »% zulässt, welche wohl. für ein Dorf genügen mag, ücH Ar Aa - nt. 1 nn sich aber für die eı fahrungsgemäss ungleich dichter besetzten städtischen Wohnungen nie und nimmer eignet. Auch dem wenig Bemittelten soll die Wohnung- ein liebes Heim bieten, um ihn möglichst vor den Lockungen * as sechste (Aaes X x . x . . a . ) Das sechste Geschoss hat sich in F olge einer eigenthümlichen Auslegung der im Wortlaute deutlichen Bestimmung des $ 492 ein- gebürgert, welcher verlangt: »Wohnhäuser dürfen nicht mehr als fünf Geschosse enthalten, wobei Erdgeschoss und allfälliges Mezzanin einzurechnen sind.« Darum findet sich in den den Nichteingeweihten Gebäuden die Bezeichnung Tiefparterre und Hochparterre, die zusammen als ein ‚Er hohen verwirrende dgeschoss gerechnet werden der Schenke zu bewahren. Allzu niedrige Wohnräume können aber nie anheimelnd ausgestaltet werden; darum ist es vom Standpunkte eines vernünftigen Socialismus nöthig, keine allzu geringe Geschosshöhe zuzulassen. Einer der bösesten Fehler der derzeitigen Bauord- nung liegt darin, dass selbe die Haushöhe zifferm ässig feststellt; dieselbe steht doch der. Natur der Sache nach im Zusammenhange mit der Strassenbreite. Sonderbarer Weise ist, obgleich schon Kaiser Augustus für das antike Rom zu Beginn unserer Zeitrechnung eine Bau- vorschrift erlassen hat, in welcher die Haushöhe von der Strassenbreite abhängig gemacht ist, erst in neuester Zeit ist dieser lange Jahrhunderte vergessene Gedanke wieder lebendig geworden. Um Licht und Luft, diese wesentlichen Lebensbedingungen, in ausreichender Menge zu bieten, nicht grösser als die Strassenbreite, oder” deutlicher aus- sollte die Gebäudehöhe zum. mindesten gedrückt, als‘ die Entfernung der Baufluchten . vonein- ander sein, eine Regel, welche z. B..in den Bauordnungen für Berlin, München, Dresden und Salzburg enthalten ist. Für die beiden innersten Zonen Wiens ist es aus Rück- sicht auf die Besitzverhältnisse allerdings nicht möglich, hieran festzuhalten, und kann hiebei die Feststellung des erwähnten Entwurfes des österreichischen Ingenieur- und Architekten- Vereines als passend bezeichnet werden, laut welcher bei bisher unverbauten Grundstücken in der n bzw. II. Zone die, Haushöhe gleich der 1'/fachen bzw. 1'/,fachen Strassenbreite sein darf, während bei Wiederverbauungen auch‘ die Höhe des alten Gebäudes beibehalten werden kann.*) Die Haushöhe nach Metern zu ist der Annahme obiger: Bestimmungen überflüssig; an weiten Plätzen und beschränken, bei wünschenswerthen überbreiten Strassen mag der Architekt nach Herzenslust himmelanstrebende Bauten planen. Eine durchgreifende Aenderung ist bezüglich der Souterrain- Wohnungen nöthig. Allerdings verlangt S$ 46 der Bauordnung eine Höhenlage des ebenerdigen Fussbodens von mindestens 15 cız über dem Strassen- oder Hofniveau; jedoch ist der verhängnissvolle Zusatz »in der Regel« angefügt und durch die weiterhin folgenden Be- stimmungen die Anlage von Kellerwohnungen, welche zur Hälfte ihrer Höhe unter der Erde liegen, ermöglicht. Ebenso wie in neueren Bauordnungen deutscher Städte und jener für Brüssel oder Rom, sollte wegen der gesund- heitlichen Gefahren unterirdischer Wohnstätten deren Neuanlage auch in Wien künftighin strenge verboten werden. Anders steht es betreffs der Dachbodenwoh- nungen, welche nur bei Familienhäusern und Villen gestattet, sonst aber »ausnahmslos untersagt« sind. Nachdem bei zweckmässiger Bauart die sonst vor- handenen Nachtheile solcher Räume vermeidbar sind. und bei mässiger Geschosszähl die. Feuersgefahr keine sehr erhebliche ist, so können dieselben für die äusseren Zonen zugelassen werden. Daraus erwächst für den Architekten der Gewinn, die für. gewisse Lagen sich eignende länd- liche Bauweise besser verwerthen zu können. Leider fehlt es hier an Raum, um auf andere wich- tige Fragen, so bezüglich der für .die Verbauungsdichte *) Rudolf Mayer’s in Manchem beachtenswerther »Entwu rf einer neuen Bauordnung für. Wien« geht hierin noch weiter, 5 indem er für die innerste Zone Y =— 3 B zulässt.