Nr; 12. ” Neubauten und Concurrenzen in Oesterreich und Ungarn. Seite 91 fleissiges Arbeiten ın gegebener Zeit‘ erwerben. kann, | Ruin. Sie sehen, meine Herren, es handelt sich hier zu- ist. er ‚damit: eigentlich Ach kein Architekt, denn unter gleich um. eine Künstlerische Frage, es stehen künstlerische einem solchen versteht man. einen Künstler, der zwar Interessen auf dem Spiele, und deshalb glaube ich, dass herangebildet werden kann und muss, der aber auch eine angeborene Begabung dafür haben muss. Die nach dem vorher‘ mitgetheilten Schema zur Führung des Titels »Architekt« Berechtigten werden jedenfalls Häuser bauen ‘ können, sie werden. gewiss Hochbauconstructeure, aber kaum durchgehends Künstler, Architekten sein. Gelegentlich der Discussion eines »Entwurfes einer Civiltechniker- Ordnung« _ im‘ österreichischen Ingenieur- und Architek tenverein im Monat December 1895 hat Herr Professor König, einer‘ der berufensten Richter in dieser Sache, eine Reihe von Aeusserungen, wenn auch bei Behandlung anderer, aber ähnlicher Fragen, gethan, welche ein helles Licht in diese Angelegenheit werfen. Professor Könzg sagte unter Anderem: »Wenn man diesen Entwurf. vom Standpunkte des Architekten betrachtet, da zeigen sich wohl einige nicht unerhebliche Mängel, welche vielleicht noch zu harten K: impfen die Ve -anlassung ‚eben können. Der ganze Entwurf setzt sich nämlich mit einer unglaublichen Leichtigkeit darüber hinweg, dass es eine Kunst gibt, welche die Architektur heisst, und dass diese Kunst zu allen Zeiten ihre berufenen Vertreter ge- habt hat, die zu. dem Stolze der Menschheit gehören. Es ist wahr, die Architektur ist eine Kunst von doppelter Natur. Die. technische Durchführung eines Baues muss veset 1 Be >stimmungen unterliegen; aber. etwas anderes st es mit deı r künstlerisel hen Thätigkeit des Architekten. Diese ist ‚frei und ne frei sein... Die Architektur gibt ! Wenn sie durch andere gesetz- ngeel ngt wird, so bedeutet dies ihren selbst ihre Gesetze Sch ranken ee Charakter werden! diese Frage ihre volle und endgiltige Lösung hier in dieser geehrten "Versammlung nicht wird finden können: « Der hier So prägnant ausgedrückte Unterschied zwischen dem Hochbautechniker und dem Baukünstler, dem Architekten, ist auch in dem vorher citirten V orschlage de» III. Ingenieur- und Architektentages unber ücksichtigt geblieben. Es wäre ein. grosser Mangel jeder gesetzlichen Bestimmung über die Berechtigung zur F ührung des Titels eines Architekten, wenn auf diesen Cardinalpunkt t keine Rücksicht genommen werden würde. Immerhin aber lehrt das eingangs erwähnte Beispiel und die Entscheidung des Verwaltungsger ichtshofes, dass endlich einmal in diesen Verhältnissen Wandel 1 geschaffen werden muss, und dass es nicht mehr gestattet werden darf, dass Sich Jedermann derartige so vielsagende Titel willkürlich beilegen kann. Seit Jahren heisst es wiederholt und wurde schon von verschiedenen Ministern im Abge- ordnetenhause des österreichischen Reichsrathes ange- kündigt, erst vor wenigen Wochen wieder vom Minister für Cultus und Unterricht im Budgetausschusse, dass die Regierung zur endlichen Ordnung dieser Angelegenheit eine Gesetzesvorlage einbringen wende. Möge diese wieder holte "Ankündigung endlich Wahr- heit werden, und mögen sich dann auch” im Reichsrathe die richtigen Männer finden, welche den Künstler, den Architekten, vor einem Missbrauch seines Titels durch Unberufene zu schützen, gleichzeitig aber auch seinen als frei schaffender Künstler Zu wahren wissen Das Wiener Wohnhaus und Jeber dieses hochinteressante Thema hielt Herr ct Ludwig Baumann kürzlich einen Vor trag im schen. Ingenieur- und Architektenverein. Der de besprach zunächst unter Anführung zahl- Spiele die historische Entwicklung, welche das ınhaus in den. letzten zwei Jahrhunderten sowohl in « Them Aeusseren, als auch in- seiner Grund- rissanlage und inneren Raumvertheilung und Decoration genommen hat Sodann wendete sich Herr. Architekt Bauma das W ° Besprechung der Ausgestaltung zu, welche Wohn! aus auf Grund der grossartigen tech- Then Erfindungen und Fortschritte der letzten Zeit aussicht Zukunft erhalten werde. Vor Allem Vortragende für die Zukunft bei gleicher ’htere. Bauweise, welche durch die der- Bauordnung. in Wien verhindert werde. begriffene” neue Bauordnung wird. hierin ıen Gesichtspunkten Rechnung tragen. Se schnell aufein: \nderfolgenden Fort- Bautechnik, bei dem raschen Wechsel der se und deı - Ansprüche an ein modernes eine wahr. scheinlicl he Lebensdauer des- 30 Jahren vollständig. Vergleicht man > Wien mit anderen Grossstädten. wie New-York etc., so findet man, dass Herr nn mit dieser Forderung vollkommen dass es nicht Aufgabe einer städtischen sein kann, das Bauen unnöthig zu erschweren sondern gerade im Gegentheil es unter Aufrechth: ıltung der gebotenen Forde- an Solidität und I Hygiene thunlichst zu erleichtern. Respirationsorganen der Gebäude, wie den ngen für Wasser, Gas, Elektricität und später viel- ;icht auch für gute Luft müsse erhöhte Aufmerksamkeit ıgewendet werden durch möglichste. Freilegung in. zu- gänglichen Canälen und Sch: ichten auch im Inneren der Ge bäude. Diese Schächte müssen unter dem Trottoir ent- lang den Gebäudefronten,. mit Gussglas gedeckt, geführt werden, wobeies er möglicht werde, s} Ammtlichen Leitungen an jeder Stelle beizukommen und dem ganzen Souterrain ist, und 1 € ZU vertheuern, Nann seine künftige Entwicklung. oder Keller der Strassenfront entlang eine bedeutende Lichtquelle zuzuführen und damit dem bisherigen casemattenartigen Kellersystem ein Ende zu bereiten. In England befindet sich in den Wohnhausvierteln zum Zwecke der Luftzufuhr in den Souterrains zumeist längs der Gassenfront des Hauses ein Schacht, der allerdings eine reichliche, im Herzen der Stadt selten vorhandene Strassenbreite voraussetzt. In den amerikanischen Gross- städten hat man speciell bei den dort immer häufiger vorkommenden ganzhohen Häusern eine Erweiterung der Kellerräume unter die Trottoirs angewendet, in denen sich grosse Maschinenanlagen und Depöts befinden und mit dicken Glastafeln gedeckt sind. Durch das Oeffnen derselben kann man Waaren oder Kohlen direct in den Keller und von demselben durch Aufzüge in alle Stock- werke (bis zu 20 und mehr). mit Leichtigkeit befördern. Diese Schächte und Canäle sind es jedoch nicht geradezu, welche mit den vom Vortragenden beabsichtigten dem Zwecke nach übereinstimmen, wir führten sie nur deshalb an, weil sie beim Hausbau der Zukunft auch in Wien oft angebracht sein werden. Die Nothwendigkeit, die zahl- reichen Rohrsysteme und Leitungen sowohl im Inneren der Häuser, als auch auswärts derselben in leicht zugäng- lichen Canälen unter zubringen und nicht bei jeder Repa- ratur oder theilweisen Umlegung Mauern ausbrechen, Verputz, ET Holzgetäfel etc. zerstören, respective das Pflaster und die Fahrbahn aufreissen zu müssen, diese Nothwendigkeit ist einleuchtend, anderwärts längst erkannt, leider aber in Wien noch nicht anerkannt worden. Einen besonderen Werth legt Herr Architekt Bax- mann auf die stete Anwesenheit eines Portiers, der eine zur Ueberwachung geeignete Wohnung erhält, von der aus er den Hauseingang in jedem Augenblick abschliessen kann, um verdächtige Personen am Austritt zu hindern. Von seiner Loge gehen Telephone und Klingelwerke in alle Wohnungen, theils zur eventuellen‘ Al: ırmirung oder um besuchenden Personen angeben zu können, ob die betreffende Partei zu Hause. ist.” Anderseits gehen, wie schon vielfach in Amerika, Telephonleitungen zur Polizei und Feuerwehr. 12% N EDEN AD