26 I. die Fachschule für Architektur folgende Aufgabe: Ein reicher Privatmann, welcher Liebhaber der Landwirthschaft ist, verlangt den Entwurf zu einer Meierei. in welcher er zugleich mit seiner Familie eine für seine Verhältnisse eingerichtete angenehme geräumige Wohnung findet. Die Lage des Bauplatzes ist an einem nicht zu steilen Abhange in einer milden malerischen Gegend. ‚Die Stellung der Gebäude wird dem Architekten überlassen und nur bemerkt, dass das Wohngebäude des Besitzers als das bedeutendste eine hervoragende Stellung einnehmen muss, um von hier aus die übrigen Gebäude übersehen und zugleich die reizende Aussicht geniessen zu können. Dasselbe enthalte die nöthigen Wohnräume für die Familie, Wohnzimmer für Herr und Frau, Salon, Billardzimmer, Speisezimmer, Bibliothek, Kinderspielzimmer, Blumenzimmer, Schlafzimmer für Herr.und Frau, Toilette-, Badkabinet, 2—3 Zimmer für erwachsene Kinder, mehrere Gastzimmer, Gelasse für die Dienstboten, sowie die nôthigen Wirthschaftsräumlichkeiten; auch ist durch Veranda, Terrassen ete. auf einen angenehmen Zu- sammenhang mit dem zunüchst liegenden Garten Bedacht zu nehmen. An Räumen für die Landwirthschaft sind erforderlich: 1) Stallung für 40 Stück Rindvieh sammt Zubehër; 2) » » 4 Ackerpferde; 3) 5 » 2 Wagenpferde und 1 Reitpferd; 4) » » 3900 Stück Schaafe; 5) Wagenschuppen für 3 Wagen, Pflüge und Eggen; 6) Remise für 2 Chaisen, 1 Schlitten; i 1) eine Scheune zu Unterbringung von 10,000 Garben mit Tenne und Baren ; 8) Wohnung für einen verheiratheten Gutsverwalter mit 4—5 Gelassen sammt Zubehör. Allgemeine Gesindestube mit Küche, Speiskammer etc., Kammern für 4 Knechte und 2 Mägde; 9) Stallungen für Federvieh, Taubenhaus, 6—8 Schweinställe. 10) Ein grosser Keller, der für die Aufbewahrung von Feldfrüchten dienen soll. 11) Waschküche mit Bügelzimmer und Mange, Backofen, Holzlegen. 12) Die Dachräume sind zu Frucht- und Futterbôden einzurichten. Ausdrücklich wird verlangt, dass, obschon das Herrschaftshaus abgesondert von den Wirthschaftsge- bäuden errichtet werden soll, dasselbe dennoch in bequemer Communikation mit denselben, wenigstens mit den Stallungen stehen soll (etwa mit Laubgängen etc.); besonders wünscht man dieses für die Milchkammer, deren Besorgung eine Liebhaberei für die Hausfrau ist. Das Ganze, schön arrondirt, steht inmitten des Guts mit bequemer Zufahrt, und es schliessen sich die Obst- und Gemüsegärten, Weinberge etc. unmittelbar daran an, beim Herrschaftshaus noch überdiess ein parkartig angelegter Garten mit Belvedere und kleinem. Gewächshaus. Sämmtliche Gebäude sind massiv in Stein in entsprechendem Charakter auszuführen. Man verlangt: 1) Situationsplan der ganzen Anlage mit eingezeichneten Grundrissen in '/,,, natiirlicher Grosse, nebst Quer- und Längenprofilen ; 2) die Grund- und Aufrisse und je einen Durchschnitt der Wirthschaftsgebüude in '/,, natür- licher Grósse; 3) Aufrisse und Durchschnitt durch das Herrschaftshaus in í/,, natürlicher Grüsse. Der Lösung des Programms ist eine Begleitschrift beizufügen.