28 — den Eeken zu.erhühen, um Belvedere's zu erhalten, die den Genuss der Aussicht und eine Uebersicht -über das Gut selbst gewährt hätten; das Rundliche und Stumpfe im Aufriss würe dann vermieden worden. Zu tadeln sind die zopfartigen Caryatiden der Südfagade und dessgleichen Verzierungen der Pilaster daselbst; sie passen nicht in die gewühlte Architektur. i Sehr anerkennenswerth ist die fleissige und gewandte Darstellungsweise der sümmtlichen Zeichnungen, besonders was das Hauptgebäude und das Längenprofil betrifft. Beim Projekt II mit dem Motto: „Ich habe lange genug gelebt, um ausgelernt zu haben, doch bin ich vom Ziel noch weit entfernt“ ist die Hauptdisposition dieselbe; in Betreff der Scheunen ist zu be- merken, dass dieselben besser gegenüber dem Hauptgebäude stehen würden; etwas mehr Symmetrie in Stellung der Wirthschaftsgebäude und bessere‘ Verbindung mit dem Hauptgebäude wäre zu wünschen gewesen. Ausserdem sind eine Anzahl. von Mängeln in der Disposition und Orientirung zu bemerken, insbesondere sollte die Milehkammer, wie das Programm ausdrücklich verlangt, besser ausgestattet sein. Der Grundriss des Herrschafthauses ist abgesehen von obigen Hauptmángeln im Ganzen schón und sinnig angelegt. Salon, Billard und Zimmer der Frau werden. aber auch hier:zu dunkel sein. Die Ausgünge aus Bibliothek und Zimmer der Frau sind unnüthig. Die kleinen Treppenthüren sind bei der sonst ganz regel- mássigen Anlage im Aeussern etwas störend. Das obere Geschoss ist entschieden zu hoch und die Fenster daselbst zu klein. Die Souterrainanlage lässt zu wünschen übrig. Die überffüssig hohen Mansard'schen Dücher mit den Attiken über den Hauptgesimsen machen die Rinnenanordnung, wie sie in der Begleitschrift detailirt angegeben, schwierig. und. für die Gebiudeunter- haltung gefährlich. Auch ist durch diese Anordnung der Aufbau etwas schwer gerathen. Dagegen verráth das Aeussere der Villa sowohl, als das der Nebengebüude ein fleissiges Studium, feines Gefühl für schöne Verhältnisse, gewandte Behandlung der Formen ung geübte Darstellung. Projekt III mit dem Motto: ;„Probiren geht über’s Studiren“ zeigt bei gleicher Hauptanlage mit den beiden vorigen Projekten eine zweckmässigere Anlage der Scheune. Sehr zu loben ist die Anlage des Kuhstallgebäudes und der Milchkammer. Dagegen ist die Commu- nikation mit dem Herrschaftshause eine mangelhafte und unklare. Für den Grundriss des Herrschaftsgebäudes gilt besonders das im Eingange Gesagte. Ferner ist das Vestibule im Innern (41^ lang und 25' breit) entschieden zu gross, die Zimmer erscheinen als um dasselbe herum gebaut. Die Treppe mit 36 Stufen ohne Ruhbank ist unzweckmüssig. Die Beleuchtung des grossen Vestibules durch zwei Oeffnungen in der Decke ist mangelhaft. Das grosse Vestibule steht im direkten Widerspruch mit den kleinen Wendeltreppchen, die nach unten und oben“ führen, und die blos dann ange- ordnet werden sollten, wenn absolut sonst kein Platz vorhanden. Es muss diese Anordnung daher ent- schieden als eine unglückliche bezeichnet werden. Ebenso sind die Erker in den Ecken zu klein und kaum zugänglich. Das Blumenzimmer neben demi Speisezimmer ist ebenfalls zu klein und beengt und im Ver- háltniss zu hoch. Das Wohnzimmer der Frau sollte im Erdgeschooss liegen; es ist zu gross und zum Móbliren ganz ungeschickt eingerichtet. Das Letztere gilt auch für den Salon. Das Gastzimmer darüber scheint nur der Gipfelung der Façade zu lieb gemacht zu sein. Die Anlage des Daches, wie sie aus der in dem Text eingezeichneten Skizze zu erkennen, kann des schwierigen Wasserablaufs halber, der in den Zeichnungen nirgends angedeutet ist, ebenfalls nicht als eine glückliche bezeichnet werden.