— 29 — Das Terrassement gegen Süden ist zu burgenartig ausgefallen, zeigt zu viele runde basteienartige Aus- bauten, die keinen weichen allmühligen Uebergang vom Hause nach dem Garten und der Landschaft bilden, wie es die moderne Lebensweise und Art, wohnen zu wollen, verlangt. Abgesehen von dem unfertigen und in den Gartenanlagen nicht sehr gelungenen Situationsplan ist die Ausarbeitung der Grundplüne und Aufrisse des Herrschaftshauses eine sorgfiltige und zeugt von Vertraut- sein mit gothischen Formen; doch will es bediinken, dass die Verschmelzung der streng regelmässigen Grund- rissformen des Herrschaftshauses mit dem Aufriss in gothischen Formen eine Klippe war, die zu umgehen dem Verfasser sehr schwer wurde. Um eine hieraus so leicht entstehende Einförmigkeit, welche bei dieser Stylgattung besonders geführlich ist,.zu vermeiden, war ein ausserordentlicher Aufwand von architektonischen Mitteln nóthig, welcher nicht im Verháltniss steht zu dem zu Erreichenden. Der Verfasser hätte besser gethan, freiere, weniger streng regelmässige Grundrissformen und einfachere weniger kirchlich gothische Formen, mehr einen entschiedenen Burgencharakter nach Art der englischen Edelsitze zu wählen, um den einmal angenommenen Stylformen gerecht zu werden. Die Begleitschrift ist eingehend und lobenswerth abgefasst. Das Aeussere der Wirthschaftsgebäude ist grossentheils unschón und nicht einheitlich genug durchgeführt. Bei allen. Mángeln.waren die drei Arbeiten als entschieden verdienstliche anzuerkennen. Es wurde der ersten mit dem Motto: ,Lebe um zu lernen und lerne um zu leben*, der ausgesetzte Preis zuerkannt, der zweiten mit dem Motto: ,Ich habe lang genug gelernt, um ausgelernt zu haben, doch bin ich vom Ziel noch weit entfernt“, ein zweiter Preis, welcher durch die Liberalität des K. Cultministeriums zur Verfügung gestellt wurde, ertheilt, die dritte mit dem Motto: ,Probiren geht über Studiren“ einer ôffentlichen Belobung für würdig erklärt. Als Verfasser der ersten ergab sich : 1 Theophil Frey von Stuttgart, Studirender der Architekturfachschule, als Verfasser der zweiten | Conradin Walther von Stuttgart, Studirender der Architekturfachschule, als Verfasser der dritten : Carl Schaupert von Stuttgart, Studirender derselben Fachschule. II. Die Ingenieurfachschule hatte folgende Aufgabe gestellt: Bei der auf gegebenem Situationsplane dargestellten Eisenbahnstation N. N. mündet eine Zweigbahn ein, deren Axe in den Plan eingetragen ist. Es ist die Verwandlung der Station in eine Trennungsstation zu projektiren. Die Hauptbahn ist zweigleisig, die Zweigbahn eingleisig. Es ist anzunehmen, dass auf der Hauptbahn rechts gefahren wird, wührend der gegebene Situationsplan, welcher seinerzeit in Fórster's Bau- zeitung, Jahrgang 1851, Blatt 409, veróffentlicht wurde, für links fahrende Züge bemessen ist. Die Personenzüge der Zweigbahn endigen auf der Station N. N., die Güterzüge der Zweigbahn sind daselbst mit den Güterzügen der Hauptbahn zu combiniren. Bei Projectirung der Trennungsstation ist nach- stehendes Programm zu befolgen: a) Die Anzahl der über die ganze Ausdehnung des Bahnhofs sich erstreckenden (durchgehenden) Geleise ist auf mindestens drei zu bringen. b) Es sind die nóthigen Geleise zum Aufstellen der Personenzüge der Zweigbahn, welche voraussicht- lich nur bis zu 30 Achsen haben werden, anzulegen. Das Hauptgebäude ist durch Anbau eines Speisesaals von 78— 80 Quadratmeter Grundflüche, ë T d ELLEN PET I EG: Sc tain Beer Aii ny XU GL coma DET D NE ee ater dem s AL