228 -> waren beantragt worden von der Sozialdemokratie, die sämtliche Mit- glieder der 2. Kammer durch Verhältniswahl gewählt, die Wahlen auf r c verlegt wissen wollte; aber alle anderen Parteien stimmten dagegen. Umgekehrt war der von diesen und der Regierung wieder erwogene Plan einer Arbeitervertretung in der 1. Kammer von der Sozialdemokratie mit Hohn abgewiesen worden. Eine Eingabe aus Induſtriellenkreiſen, die die 1. Kammer mehr aus Vertretern von Berufsintereſſen zuſammengesetzt wünſchte, fand in der 2. Kammer und deren Ausſchuß keinen Beifall, blieb indeß unerledigt. Ein Ge- setzesvorſchlag aller Parteien endlich vom 7. November 1918, der nach dem jüngsten Vorgang im Reich das Erlsſchen der Abgeordnetenvoll- macht durch Annahme eines Reichs- oder Staatsamtes beseitigen wollte, iſt gar nicht mehr zum Vortrag gekommen. 2. Btaatsumwälzung. 1918-1919. Am 6. November 1918 wurde der Landtag auf den 12. gl. Mts. zur siebten Kriegstagung berufen. Er ist nicht mehr zusammenge- treten. Nachdem durch Reichsgesetze vom 28. Oktober 1918 grund- legende Rechte vom Kaiser auf den Reichstag übergegangen, "insbe- sondere die Abhängigkeit des Reichskanzlers vom Vertrauen des Reichs- tages festgesetzt war, mußten auch die Einzel ſtaaten zum parlamen- tariſchen System übergel yen. Die Vertreter der Gruppen des Land- tages, außer Konservativen und Bauernbund, verhandelten über ein neues Verfassungs- und L Jerwaltungsprogramm 1 und unterbreiteten der Regierung ihre Vorschläge. Darauf trat das Ministerium Weizsäcker zurück. In die am 8. November gebildete neue Regierung wurden 4 Mitglieder der 2. Kammer berufen. Da das Zentrum das ihm an- gebotene Präsidium abgelehnt hatte, übernahm Lieſching von der Volks. partei das Präsidium, Juſtiz und Auswärtiges, Kiene vom Zentrum das jetzt vom Auswärtigen abgetrennte Verkehrswesen, der Nationalliberale Hieber das Kirchen- und Schulwesen, der Sozialdemokrat Lindemann das (ohne Gesetz) geschaffene Ministerium für Demobiliſation. Von den alten Ministern blieben nur die der Finanzen und des Innern, Piſtorius und Ushler. Eine Ansprache des Uönigs und des neuen Ministeriums von Samstag 9. November verkündete, daß die Ein- berufung einer konstitutierenden Landesverſammlung angeordnet sei, ge- wählt in allgemeiner, gleicher, direkter, geheimer Wahl aller über 24 Jahre alten Staatsangehsrigen beiderlei Geschlechts. Als ihre Aufgabe wurde genannt, Württemberg eine neue, den Bedürfnissen der neuen Zeit ge- nügende Verfassung auf demokratischer Grundlage zu geben; die Mehr-