Schlaglichter 5 5 FA mit der Karnevalsmaske, deı Ein verschuldeter Architekt War der Bankräuber bei senen me akekten Bank ‚aub in Köln von einem Polizisten —- wie der Staatsanwalt feststellte — in Notwehr erschossen wurde. Eine automatische ‚Kamera in der Bank hielt den Vorgang fest. Bild 1: Polizisten laufen mit gezogenen Waffen auf den 56jährigen ZU- Bild 2: Der Räuber feuert auf den ersten Polizisten und durchschießt dessen Hand. Der zweite Beamte (ganz rechts) erschoß später den Architekten, Um den Kollegen zu schüt- zen. Bild 3: Der an der Hand getroffene Polizist — die Kugel war danach an seinem Funkgerät in der linken Brusttasche abgeprallt = tritt jegend nach der Waffe des Architekten. Bild 4: VOM zweiten Polizisten (im Bild nicht sichtbar) getroffen, bricht der tödlich verletzte Bank- räuber zusammen. Er soll schon im Dezember einmal bei einem Banküberfall in Köln gescheitert sein Funkbilder: Kripo/dp8 Der kleine freie Architekt wittert Morgenluft. Freudig begrüßt er den Lockruf der Selbsthil- fe. Das Ende des staatlich regelementierten Sozialen Wohnungsbaus hat ihm weniger Aufträge und mehr Schulden beschert aber dafür den Mut zur Eigeninitiative, zur Phan- tasie, zu unkonventionellen Lösungen zurück- gegeben. Der Bankraub des Architekten war prakti- zierte Selbsthilfe im besten Sinn. Unsere volle Sympathie gehört dem Verlierer. Denn daß er erschossen wurde, spricht nicht gegen Selbst- hilfe, nur gegen bornierten Individualismus und überholte Handwerkelei, von der sich kleine freie Architekten offensichtlich nur schwer trennen können. Kalt und herzlos hält die Videokamera das Geschehen fest. Sie ist das neue Medium städtischer Ordnung. Das magische Auge des Herrn blickt in die Taschen der Hausfrauen, die Nischen der Parkhäuser, in Straßenfluch- ten, überwacht Eingänge, Ausgänge, Tot- kranke und Kleinkinder, ruht gefällig auf De- monstrantengesichtern und beobachtet unab- lässig Briefkästen, Wohnungen, Sperrbezirke, Gettos.: Der Erkenntnishunger öffentlich bedienste- ter Planer ist groß. Die ausgleichende Gerech- tigkeit planerischer Intervention geht kleintei- lig vor. Die Analyse städtischer Problement- wicklung verlangt den Gesamtüberblick, aber die Lösungsansätze können nur mehr schwer- punktmäßig greifen. Unter dem Druck radi- kaler Ausgabenkürzungen kämpft arbeitneh- merorientierte Planung verstärkt an allen Fronten kommunaler Politik, um Strei- chungen an den richtigen und nicht etwa den falschen Stellen. „Gerade jetzt ist der interdis- ziplinär ausgebildete, mit wissenschaftlicher Methodik arbeitende Planer gefordert“, rufen nimmermüde Sozialtechnokraten hinter den EDV-Stößen zur alternativen Haushaltspla- nung den Kollegen zu, die resigniert ab- Friedhelm Schrooten Räuber und Gendarm winken: „Es wird immer schwerer ein rationa- les Planungsverständnis an den Mann zu bringen“. Die fünfte Kolonne der staatlichen Ver- nunft leidet unter Orientierungsschwierigkei- ten. Die Volkszählung verspricht Arbeit und neue Erkenntnisse in Fülle, doch es mangelt an Handlungsperspektiven. Der ganze Planer- stand lebt ausschließlich vom Eingriff der öffentlichen Hand, und die hat sich weit- gehend auf den Polizeieinsatz zurückgezogen. Basisinitiativen und Selbsthilfe zum Ausgleich fehlender öffentlicher Leistungen werden die meisten Planer loben, obwohl sie nach 10 Jahren sozialdemokratischer Herrschaft im- mer noch glauben, geplanter Fortschritt kommt von oben. Häufig von der Architektur her kommend, vor ihrem kunstgewerblichen Betrug fliehend, aber verliebt in die selbstvergessene Arbeits- weise bei leiser Musik haben jahrelang kleine freie Planerbüros Mittlerdienste und Zuarbeit leisten dürfen. Sich vom öffentlichen Auftrag- geber distanzierend, erhielten sie an den Haus- türen der Sanierungsbetroffenen alle nötigen Daten für den Sozialplan und lernten in den Wohnzimmern die menschlichen Nöte ken- nen. Die Guten unter ihnen ließen sich von der Stadt bezahlen und kämpften auf der Seite der Betroffenen für die bessere Planungsalternati- ve. Ihnen hat die öffentliche Hand den Ar- beitsstuhl weggezogen. Um nicht ganz auf der Straße zu sitzen, müssen sie einen neuen Markt erschließen. Wer nicht mehr im öffent- lichen Auftrag tätig werden kann, muß sich an Privat verkaufen. Harmonisierung und Problembereinigungen im kleinen Maßstab sind gefragt, egal ob öffentlich oder privat. Flickschusterei am besten alternativ garniert mit Selbsthilfe und grüner Soße. Von der Stra- tegie zur Fingerfertigkeit, vom Städtebauer zum Spezialisten für Umbauten und Moderni- sierungen, vom Landschaftsplaner zum Gar- tengestalter. Ökotope sind der letzte Schrei in den Gärten der Reichen! Offensichtlich ist eine Umwertung im Gange, aber irgendwie ist alles schon durch- schaut. . Die sozial engagierten Planer von ge- stern sind die Ökologen von heute. Die immer noch begeistert arbeitnehmerorientierten Pla- ner sind die Sonnenstaattechniker von mor- gen (spätestens). Aber die Geschichte ist nicht zu Ende wo die Video-Bilder abbrechen.... Der Bulle steht mit rauchender Pistole, doch vor ihm der Architekt ist nicht tot zu kriegen. Er steht auf, zieht die Maske vom Ge- sicht und zeigt sein strahlendes Lächeln. „O.K. Jungs, diesmal gings daneben. Macht euch keine Sorgen, ich geht jetzt nach Hause, laß mir alles durch den Kopf gehen und probiers nochmal mit nem besseren Plan“. Sie versuchen es immer wieder von vorn. Je- der für sich mit seinem kleinen Plan. Dabei müßten wir, planerisch gesprochen, gerade jetzt gesellschaftlich denken und möglichst kollektiv handeln. Ohne Illusionen über die staatliche Macht, keine neue Liaison, ohne staatsvermittelte Konzepte, Planung von unten, Ausdruck der Vergesellschaftung, der bewußten Aneignung des Lebens ist immer noch ein weites Feld - unbebaut.