Meisterklasse war und der das gleiche Ziel hatte, keine Schüler zu erzeugen, sondern ihnen zu helfen, daß sie eine selbständige Position als Architekt finden können (1). 2. Es kann keine Eiermann-Schule geben, weil er selbst die Voraussetzungen, Regeln vorzugeben, nie hätte leisten können. Eiermann hatte keine Regeln und wollte keine Regeln, auch wenn dies in der Bauwelt Heft Nr. 38, Seite 2093 behauptet wird. Eiermann hatte aber Prinzipien. Dies ist ein Riesenunterschied. Eine Regel ist wie ein schmaler Pfad, dem man folgen muß, und jeder Schritt abseits des Pfades der Regel ist ein Regelverstoß. Für Eiermann gab es zunächst ein weites, weites Feld. So groß, daß es nötig war, innerhalb dieses weiten Feldes sich selbst Grenzen abzustecken. Er hatte sich seine Grenzen so gezogen, daß er diese nie verletzte, aber trotzdem für seine Prinzipien genügend Raum hatte. Er brauchte Raum und Freiheit für sein Temperament, für seine Phantasie und für seine Kreativität. Er brauchte eine große Freiheit, aber in seiner selbst bestimmten Bindung. Seine Lehre war nicht nach Prinzipien gegliedert oder strukturiert. Er hat gelehrt, was ihn ad hoc beschäftigt hatte. Er hat über die Probleme berichtet, mit denen er sich soeben auseinanderzusetzen hatte. Seine Lehre war geprägt durch größte Aktualität, bezogen auf sein eigenes Arbeiten. Die Prinzipien mußten die Studenten selbst herausfiltern. Das war nicht eben einfach und bei kurzen Begegnungen auch nicht möglich. So hat sich sicher mancher zum "Eiermann-Schüler" ernannt, ohne ihn richtig begriffen zu haben. Für seine Prinzipien, die wir aus seiner Lehre herauszufiltern hatten, seien hier zwei genannt: