1. Das Prinzip der Tektonik. Die Tektonik war für ihn ein unverzichtbarer Bestandteil der Architektur. Unter Tektonik verstand er das Fügen von Teilen zu einem Ganzen, wobei die Teile im Ganzen erkennbar bleiben müssen. Dieses Prinzip hat er in allen seinen Arbeiten eingehalten, ob es ein Möbel oder ein großes Gebäude war. Sein Klappstuhl SE 18 der Firma Wilde + Spieth ist ein gutes Beispiel, um dieses Prinzip zu erläutern. Der Stuhl ist zusammengesetzt aus den Beinen; der Sitzfläche, der Rückenlehne und zwei Zargen. Dazu kommt ein Verbindungselement, das zwei Füße miteinander verbindet. Alle diese Teile sind im einzelnen durchgeformt und dann zu einem Ganzen - dem Stuhl - gefügt. Durch die Fügung verlieren sie aber keineswegs ihre Identität, sondern kommen in der Gesamtheit des Stuhles eher deutlicher zur Wirkung. Genau dieses Prinzip können wir an allen seinen Bauwerken erkennen. Alle einzelnen Teile wurden entsprechend ihren Aufgaben und Gesetzmäßigkeiten geformt und dann zu einem Ganzen gefügt. Das Ganze war aber keineswegs nur die Summe der einzelnen Teile, sondern insgesamt ein "großer Wurf". Welche Bauwerke man auch aus seinem Gesamtwerk betrachtet, ob es seine ersten Arbeiten in Berlin sind, ob es seine frühen Industriebauten, ob es der Deutsche Pavillon in Brüssel oder die Botschaft in Washington ist oder gar die Matthäuskirche in Pforzheim und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin, immer bleiben die einzelnen Teile, aus denen das Ganze zusammen- gefügt ist, erkennbar. Das Fügen ergibt aber keineswegs nur ein technologi- sches Ergebnis, sondern erzeugt ein Werk der Baukunst. Für den "Putz" gab es in seinen Werken keinen Platz, denn der Verputz ist nicht ein Mittel des Fügens, sondern des Verdeckens. Das Verputzen ist kein Fügen, sondern ein Zuschmieren gefügter Elemente.