10 werden und formal anders aussehen. Die Schichtung der Außenwand beginnt in diesem Jahrhundert in Brüssel und wird fortgeführt bei vielen anderen Bauten wie zum Beispiel der Botschaft in Washington, IBM in Stuttgart- Vaihingen, Hoch-Tief in Frankfurt, dem Abgeordnetenhaus in Bonn und anderen. Eiermann setzte die Schichtung der Außenwand dort ein, wo es für ihn richtig war. In anderen Fällen verzichtete er auf diesen Teil seines Repertoires, denn nichts durfte bei ihm zur Ideologie oder Masche werden. Auch war es für Eiermann selbstverständlich, die für Brüssel gefundene neue Außenwand weiter zu entwickeln. Bei einem seiner letzten Bauten, Olivetti in Frankfurt, ist das Prinzip wie in Brüssel, aber welch ein Unterschied! Sowohl von innen als auch von außen stellt sich die Frage: Wo ist die Außenwand geblieben? Im Innenraum ist man geneigt, die Glaswand als die Außenwand zu definieren, denn sie ist die klimatische Trennung, das heißt, die Grenze für den Temperaturunterschied. Aber von außen ist eine Außenwand nicht mehr zu definieren. Da ist zunächst wieder die inzwischen zur Virtuosität weitergeführte filigrane Struktur, die man aber als Außenwand nicht akzeptieren kann. Dahinter zeigen sich hin und wieder zurückhaltend verglaste Flächen, und von einer Tragstruktur ist überhaupt nichts zu sehen. Eiermann hat aus der früher einschaligen Außenwand eine Zone geschaffen zwischen dem Innenraum und dem Außenraum. Bisher waren die Außenwände, ganz gleich ob konservativ oder aus Glas, eine einschalige Angelegenheit, die immer scharf und eindeutig und unwidersprechbar bestimmte: Hier ist innen, und dort ist außen. Das geht bei Eiermann nicht mehr. Er hat einen Zwischenraum geschaffen, etwas ganz Neues. Die Außenwand ist nicht mehr eine eindeutige Grenze, sondern eine Zone, die der "Außenwand" plötzlich eine dritte Dimension gıbt.