Jürgen Joedicke: "Persönliches und Aufgelesenes - Egon Eiermann und seine Zeit" Annäherungen an einen Architekten sind auf sehr unterschiedliche Weise möglich. Da ich Egon-Eiermann persönlich gekannt habe, ihm bei unterschiedlichen Anlässen begegnet bin und Förderung durch ihn erfahren durfte, werde ich den Zugang von einer eher persönlichen Seite suchen. Es geht mir darum aufzuzeigen, was Egon Eiermann für mich bedeutet hat, obwohl ich nicht zu jenen gehöre, die bei ihm studiert haben oder bei ihm tätig waren. Was ich vortragen werde, sind also persönliche Erfahrungen, Aufgelesenes; - eine Annäherung nicht aus der Nähe, sondern eher von der Ferne her. Ich möchte sie beschreiben anhand dreier Bauten, die mich beeindruckt und meinen Werdegang als Architekt beeinflußt haben. Dabei werde ich nicht chronologisch, also nach der Entstehungszeit dieser Bauten vorgehen, sondern so, wie diese Bauten zufällig in mein Gesichtsfeld getreten sind, was aber, wie sich zeigen wird, auch ein Stück Zeitgeschichte offenlegt, wenn man unter zufällig dem Wortsinn nach das Zugefallene versteht und nicht etwa das Sinnlose oder das Unverständliche. Wenn ich mich an die ersten Jahre unmittelbar nach Kriegsende erinnere, so zeigt sich ein erstaunliches Phänomen. Obwohl eigentlich alles aussichtslos erschien, die Städte zerstört waren, das Land darniederlag und in vier Besatzungszonen aufgeteilt war, in die nun Millionen von Flüchtlingen strömen sollten, die Ernährung auf Lebensmittelkarten erfolgte und die Berufsaussichten als Architekt eher gegen Null tendierten, war dies im Rückblick für uns Jüngere nicht eine Zeit der Niedergeschlagenheit oder der Verzweiflung, sondern eher eine Zeit der Zuversicht und eine Zeit der Hoffnung.