512 Neckarkreis. Oberamt Weinsberg. Weinsöerg, Oberamtsstadt (wines, winisberg). Die Stadt ist zum Teil nach ummauert von der alten hohenstaufischen Block- mauer, auch die Kirche zum heil. Johannes d. T. ist in die Befestigung mit herein ­ gezogen und ebenso die hoch oben thronende Burg „Weibertreu". Die ev. Kirche erscheint als eine dreischiffige romanische Basilika mit Ostturm, an den ein spätgotischer Chor ange ­ baut ist (K.). Der romanische Stil tritt hier in stolzer Fassung mit wohldurchgebildeten Gliede ­ rungen und reicher Ornamentik auf; besonders schön das hohe rosettenartig verschlungene Ge ­ wölbe im Turm, in reichstem spätromanischem Geschmack. An seiner Südseite das „Pfaffen ­ loch", eine Art kleiner Krypta, mit noch er- 0 qui terrenis inhias homo desipuisti. Bis quid in obscenis gaudes. Cole numina cristi. T conradus. Letzteres Wort höchst wahrschein ­ lich der Nanie des hervorragend begabten Weinsberg. Turm der Stadtkirche, Achtecksgeschoß. Baumeisters. Im Innern Säulen- und Pfeilerwechsel und reichverzierte Würfelknäufe. Die Seitenschiffe setzten sich einst, den Tnrmchor flankierend fort und endigen in schöngewölbten Altar-Kapellen. Der mächtige Ostturm geht schon im ersten hohen Geschoß ins Achteck über, ist außen reich verziert, innen von jenem genialen, in einem Kreis mit Rosettenschlußstein sich verschlingenden, achtrippigen Gewölbe auf Ecksäulenbündeln übersprengt; ebenso kraftvoll schön ist der dreimal sich abtreppende, mit Strecksäulen besetzte, hohe, spitze Triumphbogen behandelt. Der Boden des Turmchors war früher erheblich höher. Der vieleckige spätgotische Chor, eine hohe lichte rippenkreuzgewölbte Halle, (auf einem der Schlußsteine ein Mann mit einem Stein-' metzzeichen) stößt in nicht hohem Spitzbogen, ziemlich roh, an den alten herrlichen Turmchor, von dem in der Höhe drei Ostfenster in das Freie gehen, während über seinem Triumphbogen eine Arkadenstellung auf Doppelsäulchen die Mauer innen durch ­ bricht. — Im gotischen Chor steht jetzt der romanische, an den Ecken von Säulchen gefaßte steinerne Altartisch. Die Kirche ist zugleich als ein Denkmal anzusehen für den Sieg des Hohcnstaufenkönigs Konrad III. über Herzog Welf VI. im Jahr 1140, der mit Eroberung der Burg Weinsberg endigte — und es wurde wohl bis in den Ansang des 13. Jahrhunderts daran gebaut. Die Weinsberger Kirche, sowie der Turm der Deutschordenskirche im nahen Heilbronn, gehören zu den wertvollsten Überbleibseln der Hohenstaufischen Baukunst, wie wir dieselbe so rein nur wieder um den Hohenstaufen her ffnden. Schon der Grundriß ist höchst eigenartig, eine Basilika mit Pfeiler- und Säulenwechsel, die im Osten in drei quadratische gewölbte Chöre mündet, über dem mittleren, bald acht ­ eckig werdend, der Turm. Es ist hier alles vertreten, was den Hohenstaufenstil