2 Schwarzwaldkreis. gehend, hier Laubwald an den Gehängen, auf den Hochflächen mageres Acker- und Heideland, fast ganz ohne Quellen; jetzt wird durch großartige Kunstbauten das Wasser zu den hochgelegenen Dörfern der Alb geschafft. Zwischen diesen beiden Gebirgen, bald mehr die Natur des einen, bald die des anderen annehmend, läuft meist durch Keuper und Muschelkalk das Thal des Neckars. Es sind dieselben zwei Gesteins arten, wie im Unterland (Neckarkreis), aber die Lage ist höher, die Gebirge sind näher, darum ist alles düsterer, herber, frostiger, nur milder, wenn der Fluß seinem Mittelläufe sich nähert, von Rottenburg abwärts. Bon hier an beginnt auch der Weinbau an den Südhalden. An landschaftlicher Schönheit sind beide Gebirge hochbedeutend, besonders die Alb. Fast von allen ihren Höhen, aber auch von vielen des Schwarzwaldes, hat man den Anblick der Schweizer- und Tiroleralpen. Am Fuße der Alb, dessen steilabgestoßener Nordrand gegen das Neckar ­ thal hereinschaut, breitet sich ein herrliches, vielgehügeltes, reichbewässertes Obstland aus, in dessen Thalanfängen die durch das Albgebirge sickernden Wasser in starken Quellen aus Höhlen oder Töpfen hervorbrechen, so stark, daß sie sofort Mühlen oder andere Werke zu treiben vermögen. Die Alb wurde schon in frühester Zeit bevölkert, am spätesten dagegen, in unserem Lande, der Schwarzwald. In den Höhlen der Alb, deren es mehrere hun ­ derte giebt, fanden sich bis jetzt die ältesten Überreste des Menschen, weit zurück hinter aller Geschichte liegend. Von der frühesten Keltenzeit bis ins späte Mittelalter ist dann die Alb ein Hauptschauplatz der Geschichte. Aus ihren unzugänglichen Fels ­ klötzen saßen Keltenfürsten und germanische Helden, zwei Hauptstädte der Römer lagen am oberen Neckar, bei Rottweil und Rottenburg, und die Höhen der Alb waren mit ihren Warttürmen besetzt. Nach Vertreibung der Römer erscheinen die ersten Alemannensürsten sofort wieder auf den Felsbergen der Alb und herrschen bis in die Zeit der Kreuzzüge und noch später. Die meisten unserer größten Herrschergeschlechter haben ihre Ursitze auf der Alb: die Hohenstaufen, die Zähringer, die Achalm, Teck, Urach, Fürstenberg, die Hohenberg, Lupfen, Zollern. Es bietet hier die Ge ­ schichte, gleichwie die Landschaft, großartige Ausblicke. Im Spätmittelalter schrumpfen, meist durch Teilung des Besitzes u. s. w.. die Geschicke der Alb zusammen und heut ­ zutage steht sie weit zurück hinter dem Glanz der Kelten- und wieder der Ritterzeit. Nur über den riesigen Ringwällen, den großen Grabhügelgruppen und den vielen Ruinen des Mittelalters schwebt noch der alte Zauber. Was aber mochte die Alb für einen Anblick gewährt haben, als von ihr aus Burg an Burg mit goldenen Zinnen ins Land hineinschimmerte und Kriegs- und Friedensfahrten von ihr aus ­ gingen, fort in das ferne Morgenland oder über die nahen Alpen hinüber ins sonnige Welschland. Und welche Pracht der Römerzeit steigt mit Säulen, Mosaiken und Pa ­ lästen aus dem Boden bei Rottweil und Rottcnburg; welch mittelalterlicher Glanz liegt noch auf manchen der Neckarstädte von Rottweil bis hinab nach Reutlingen und Nürtingen. Doch ging die Hauptentwicklung der mittelalterlichen Kunst in diesem Kreis nicht von der Alb oder dem Neckarthal aus, sondern von einem stillen -vhale des Schwarzwaldes. — Im engen, tief eingerissenen Thale der Nagold hatte sich auf einem Bergvorsprung links des Flusses ein Zweig des alemannischen Herzog ­ stammes festgesetzt, die Grafen von Calw, eine Stunde unterhalb im Thale bei Hirsau