Oberamt Oberndorf. ^)as Neckarthal zwischen Sulz und Rottwcil mit seinen vielen und großen engen Krümmungen durch den felsenreichen Muschelkalk hindurch, heute noch zumeist ein wenig wegsames Waldthal, oftmals von hoher malerischer Schönheit, gab zu starker Stadtentwicklnng keine Stätten. Die am Neckar gelegene Stadt Oberndorf war nie von großer Bedeutung, sie erscheint als eine jener Stadtburgen der Hohenstaufen ­ zeit. Ein Kunstmittelpunkt aber war seit dem Ende des 12. Jahrhunderts das am Westsaum des Bezirks im tiefen Schwarzwaldthal der Kinzig gelegene Benediktiner- kloster Alpirsbach, die älteste Klosterstiftung der Hvhenzollern. Die Verkehrswege von Rottenburg gegen Rottweil gingen bis in die neueste Zeit oben auf jener Hoch ­ fläche westlich zwischen dem Neckarthal und den tiefen Waldthälern des Schwarz ­ waldes. Bei Waldmössingen, das mitten aus dieser Hochfläche gelegen, war ein sehr wichtiger römischer Straßenstern. In der Nähe von Röthenberg aus dem Schänzle, da, wo die Römerstraße scharf ins Kinzigthal hinabsteigt, lag ein wichtiger, ohne Zweifel verschanzter Römerplatz. Mair fand hier einen Altar (M), gestiftet von einem Centurio der 22. domitianischen (also vor 96) Legion, Quintus Antonius Silo, der vorher in fünf andern Legionen als solcher gedient hatte, geweiht der Abnoba, der Göttin des Schwarzwalds. In der Kirche zu Röthenberg ruhen die Emporensäulen auf steinernen römischen Säulenfüßen. Weitere Niederlassungen bei Böchingen, Epsendorf, Seedorf, Winzeln. Römerstraßen von llnter-Jflingen über Waldmössingen nach Rottweil, von Epsendorf über Waldmössingen auf das Schänzle bei Röthenberg. Alemannische Reihen- gräber bei Fluorn, Hochmössingen, Peterzell und Römlinsdorf. Hberndorch, Oberamtsstadt (Obarindorf villa 782). Kath. Stadtkirche zum heil. Michael, 1780 verändert, mit schwerem, unten tonnen ­ gewölbtem Ostturm; au der Sakristeithüre zwei Steine mit spätromanischem ver ­ schlungenem Pflanzenwerk. Gestühl aus dem vorigen Jahrhundert, aus der früheren Klosterkirche. Das große Augustinerkloster, schon 1264 erwähnt, 1772 77 erbaut, jetzt berühmte Mauserische Gewehrfabrik. Die große einschifsige Kirche war reich mit Stuckaturen und Fresken geschmückt, Deckengemälde von Johann Baptist Enderle aus Donauwörth; ähnliche Wandgemälde, neuestens aufgedeckt, in den unteren Kloster- räumen. Schöner Brunnen. Ehemaliges Dominikanerinnenkloster, 1780, jetzt Oberamt. Ehemalige Pfalz, jetzt Kameralamt. Die Stadt und die Vorstadt hatte je zwei Thore.